Wolf in der Schweiz © Charly Gurt

Neues Jagdgesetz: Jetzt geht die Arbeit nochmals los

Vier Jahre lang dauerte der Prozess, um das Jagd- und Schutzgesetz einer Revision zu unterziehen. Am Ende stellten sich nicht nur alle Schweizer Natur- und Umweltschutzorganisationen geschlossen dagegen; auch das Schweizer Volk lehnte die Gesetzesvorlage ab. Nun muss der Prozess von neuem beginnen.

Das Jagd- und Schutzgesetz feierte im Jahr der Referendumsabstimmung seinen 34. Geburtstag. 1986 trat es unter dem Namen «Bundesgesetz über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel» in Kraft. Und setzte sich vier Grundpfeiler zum Ziel:

  • Die Artenvielfalt und die Lebensräume von einheimischen und ziehenden wildlebenden Vögeln erhalten.
  • Bedrohte Tierarten sollen geschützt werden.
  • Den Schaden begrenzen, den Wildtiere an Wald und Landwirtschaft verursachen.
  • Die Wildbestände in angemessener Weise durch die Jagd nutzen.

Es ist kein einfaches Unterfangen, diese vier Grundpfeiler ausgeglichen zu berücksichtigen. Gleichzeitig ist dies aber auch das Erfolgsgeheimnis unseres Jagd- und Schutzgesetzes (JSG). Wir müssen die Bedürfnisse der Natur, der Landwirte und Forstwirte sowie der Jäger angemessen berücksichtigen, damit das Zusammenleben zwischen Menschen und Natur funktioniert – und wir unsere Natur nicht unwiederbringlich zerstören.

Genau diese Ausgeglichenheit streben die Natur- und Umweltschutzorganisationen an: Wir wollen Hand bieten für eine Gesetzesrevision, welche den Landwirten entgegenkommt, wenn es um den Umgang mit problematischen Wölfen geht. 

Gleichzeitig fordern wir aber auch, dass bedrohte Arten angemessen geschützt werden – und das in einem grösseren Ausmass, als dies heute der Fall ist. So sind beispielsweise Wildtierkorridore, wie sie in der abgelehnten Gesetzesrevision vorgesehen waren, ein wichtiges Mittel zur Förderung der Biodiversität.

Schutz für bedrohte Arten

Wenn es um Waldschnepfen, Feldhasen oder Schneehühner geht, gibt es keinen Grund, eine Jagd weiterhin zu erlauben. Diese Bestände haben sich in den vergangenen Jahren stark verkleinert – unter anderem, weil ihr Lebensraum durch menschliche Bauten immer kleiner wurden oder auch, weil ihnen die Auswirkungen der Klimakrise zu schaffen machen. Solche Tierarten zusätzlich noch unter Druck zu setzen, indem man Jagd auf sie macht, ist nicht zeitgemäss. Wir müssen diese Tiere unter Schutz stellen, anstatt sie bis an den Rand der Ausrottung zu jagen. Aber auch durch andere Wirtschaftszweige bringen wir Arten, die vom Aussterben bedroht sind, weiter unter Druck, wie man am Beispiel des Feldhasen in der intensiven Landwirtschaft sieht.

Ursprünglich kam es zur Revision des Jagd- und Schutzgesetzes, weil das Parlament den Umgang mit dem Wolf neu regeln wollte. Die Idee war, die Wolfsbestände verstärkt zu regulieren. Im Lauf der Revisionsarbeiten wurde das Gesetz aber mit zig anderen Aspekten überladen, bis es für die Umweltorganisationen nicht mehr möglich war, die Revision zu unterstützen.

Pragmatischer Umgang, wo nötig

Man darf nicht vergessen, dass der Wolf ein international streng geschütztes Tier ist und sich die Schweiz verpflichtet hat, diesen Schutz zu gewährleisten. Nichtsdestotrotz ist uns bewusst, dass es mit dem vermehrten Aufkommen des Wolfes in der Schweiz auch zu Herausforderungen kommt, gerade mit der Landwirtschaft in den Bergen. Deshalb haben die Natur- und Umweltschutzorganisationen auch im Verlauf der letzten Revision immer wieder betont, dass wir einem pragmatischen Umgang mit dem Wolf nicht im Wege stehen.

Inakzeptabel ist für uns, wenn Wölfe – oder andere geschützte Tierarten – auf Vorrat gejagt werden. Es darf nicht sein, dass die Kantone in Einzelregie über Wildtierrudel bestimmen können, deren Revier sich meist weit über die Kantonsgrenzen hinaus erstreckt.

Die Natur im Fokus

Bei einer Revision sollte es darum gehen, das bestehende Gesetz zu verbessern. Und dies erreichen wir, wenn wir uns in erster Linie auf die Bedürfnisse der Natur konzentrieren: Wie steht es um bedrohte Wildtierarten? Wie sehr leiden die Schutzwälder unter dem Verbiss von Rothirsch, Rehen oder Gämsen? Können sich die Wildtiere in ihren Lebensräumen zurückziehen, oder flüchten sie in Gebiete mit Menschen, weil sie aus ihrem natürlichen Heim vertrieben werden? 

Wenn wir diese Punkte als Ausgang für eine Gesetzesrevision nehmen, werden wir automatisch dafür sorgen, dass auch die Bedürfnisse von Landwirten, Jägern und Bergbewohnern angemessen berücksichtigt werden.

Wie geht es weiter?

Mitte Januar 2021 entschied die Ständeratskommission, dass es keine neue Revision des Jagd- und Schutzgesetzes geben soll. Mit diesem Entscheid wurde das zukunftsfähige Nebeneinander der Bergbevölkerung mit dem Wolf und anderen Wildtieren auf die lange Bank geschoben. Die Umweltschutzverbände bedauern diesen Entscheid und setzen sich weiterhin für einen pragmatischen Umgang mit wildlebenden geschützten Tieren und insbesondere dem Wolf ein. Der Artenschutz und die Förderung der Biodiversität wird dabei für uns weiterhin im Fokus stehen.

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