Hornisse (Vespa Crabro) © Saxifraga, Mark Zekhuis

Wespen und Hornissen als Untermieterinnen

In der Schweiz gibt es acht Echte Wespenarten. Nur zwei davon wollen zeitweise von unseren Tellern naschen. Wussten Sie, dass auch die Hornisse zu den Wespen gehört?

Im August am Gartentisch: Unser Birnenkuchen erfreut nicht nur die Gäste. Er lockt auch gelb-schwarz gestreifte Besucherinnen aus der Insektenwelt an. Von den sogenannten Echten Wespen interessieren sich nur zwei Arten zeitweise für menschliche Nahrungsmittel: die Gemeine oder Gewöhnliche Wespe (Paravespula vulgaris) und die Deutsche Wespe (Paravespula germanica). Beide Arten können in grösserer Zahl auftreten. Sie legen ihre Nester meist unterirdisch in verlassenen Mäusegängen an. Weitere sechs Arten kommen bei uns seltener vor. Darunter befindet sich auch die Hornisse (Vespa crabro). Die hier beschriebenen Merkmale treffen auf alle Echten Wespenarten zu.

Ein Königreich in einem Nest

Jedes Wespennest wird von einer einzelnen Königin gegründet. Ende April verlassen die Königinnen ihre Winterquartiere und suchen einen geeigneten Ort für die Nestgründung. Da diese Plätze in der Natur immer seltener werden, müssen die Tiere manchmal mit unseren Dachböden, Gartenhäuschen oder Storenkästen vorliebnehmen. Einen Monat lang ist die Königin mit Nestbau, Eierlegen und Larvenfüttern beschäftigt. Ende Mai hat die einsame Plackerei ein Ende: Die ersten Arbeiterinnen schlüpfen. Diese übernehmen ausser dem Eierlegen alle Arbeiten der Königin bis in den Herbst hinein.

Herbstlicher Untergang

Während Honigbienen in ihren Staaten überwintern, erlischt im Herbst das Leben im Wespenstaat vollständig. Im Hochsommer schlüpfen neue Königinnen und männliche Tiere (Drohnen). Die begatteten jungen Königinnen suchen sich nach der Paarung einen geschützten Platz zum Überwintern. Die Drohnen haben ihren Auftrag erfüllt und sterben. Auch die alte Königin beendet ihr einjähriges Leben und mit ihr geht der Wespenstaat zugrunde.

Nützliche Untermieterinnen

Wespen-Arbeiterinnen benötigen als Treibstoff für ihre Flugmuskeln den Zuckersaft aus Blüten, aus der Rinde verletzter Bäume. Die beiden häufigen Arten Gewöhnliche Wespe und Deutsche Wespe bedienen sich dafür auch gerne mal bei unserem Birnenkuchen. Die eierlegende Königin und die Larven brauchen hingegen eiweissreiche Kost aus erbeuteten Insekten. So erbeutet ein einziges Hornissenvolk täglich bis zu einem Pfund Insekten, darunter auch andere Wespenarten.

Die Hornissen selbst interessieren sich nicht für unser Essen. Bei genügendem Sicherheitsabstand zum Nest steht einer bereichernden Nachbarschaft nichts im Weg.

Keine Angst vor Wespen und Hornissen

Wespen und Hornissen sind friedliebende Tiere. Alle Wespen haben ihren Stechapparat, um Beute zu lähmen. Der Stachel wird mehrfach eingesetzt, er reisst beim Stechen nicht ab. Wespen setzen beim Stich weniger Gift ein als Honigbienen. Gefährlich kann das Gift für allergisch reagierende Personen oder bei einem Stich in den Mund- oder Rachenraum werden. In beiden Fällen sollte sofort ein Arzt, eine Ärztin konsultiert werden. Als Wespenart können auch die Hornissen stechen. Da sie sich aber nicht für das Essen der Menschen interessieren, sind die Konflikte weit weniger häufig. Die weit verbreitete Legende, dass Hornissenstiche viel gefährlicher seien als die Stiche anderer Wespen, ist – eben – eine Legende.

Beim Essen unter freiem (Wespen-)Himmel lassen sich  gefährliche Situationen leicht vermeiden: Esswaren erst kurz vor dem Essen auf den Tisch stellen, Süssgetränke abdecken,  vor dem Trinken einen Blick ins Glas werfen, leere Teller rasch wieder abräumen.

Hilfe für besondere Fälle

Ein Zusammenleben mit Wespen und Hornissen ist gut möglich. In der Nähe eines Wespennestes sollten allerdings hektische Bewegungen vermieden werden. Liegt ein Nest an einem ganz unpassenden Ort, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Umsiedeln oder zerstören. Für beide Aktionen brauchen Sie eine Fachperson.
 

Zu diesem Thema gibt es auch ein Faltblatt mit Titel «Hornissen und Wespen». Auf Wunsch senden wir Ihnen gerne mehrere Exemplare zu. Bitte nehmen Sie mit uns per E-Mail Kontakt auf.



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