Zwei Biber schwimmen im Wasser © Maurice Robaday Mair

Biber-Lexikon

Der Biber ist perfekt an seinen Lebensraum angepasst. Er ist das einzige Tier, das seinen Lebensraum aktiv gestaltet.

Der Biber ist ein eigentliches Allroundtalent im Wasser und auf dem Land. Er ist  Spitzentaucher, Bauherr, Landschaftsarchitekt und Holzfäller in einem. Die Natur hat ihn perfekt ausgerüstet für seine vielfältigen Jobs. Auf dieser Seite stellen wir euch einige Eigenschaften vor.

Wichtig für das Leben im Wasser: Der dicke Pelz

Pro Quadratzentimeter Biberrücken wachsen 12’000 Haare, auf dem Bauch sind es mit 23’000 Haaren sogar doppelt so viele. Unsere Kopfhaut bringt es demgegenüber auf mickrige 300 Haare pro Quadratzentimeter.

Dieser Pelzmantel ist aus zwei verschiedenen Haartypen zusammengesetzt: Grannenhaare und Unterwolle. Diese beiden Haararten sind so angeordnet, dass sich zwischen ihnen beim Abtauchen eine feine Luftschicht bildet. Diese Luftschicht sorgt dafür, dass die Haut schön trocken bleibt. Zusätzlich dient sie als Wärmeisolation. Das Imprägnieren seines Fells nimmt der Biber ganz genau. Deshalb verbringt  er viel Zeit mit der Fellpflege. 

Bei dieser ausgiebigen «Bibertoilette»  gelangt die spezielle Putzkralle zum Einsatz, eine Doppelkralle an der zweiten Zehe der Hinterpfote. Sie ermöglicht dem Biber, die längeren Grannenhaare in einzelnen Strähnen durchzukämmen. Die Vorderpfoten gelangen besonders beim Einfetten des Fells in der Bauchregion und am Kopf zum Einsatz.

Auf grosser Pfote unterwegs

Biber im Wasser © Patrick Zysset

Ausserhalb des Wassers wirkt der Biber fast plump. Seine Vorderpfoten sind kürzer als seine Hinterbeine, was ihm seine bibertypische Gestalt verleiht. Um sich einen Überblick in dichter Vegetation zu verschaffen, stellt er sich auf die Hinterbeine, ebenso beim Fällen eines Baumes. Alle seine Finger und Zehen sind mit relativ kräftigen Krallen ausgestattet und ideale Werkzeuge zum Graben.

Seine Vorderpfoten braucht der Biber so geschickt wie der Mensch seine Hände. Dabei übernimmt der «kleine Finger» oft die Funktion des schwach ausgebildeten «Daumens». Die Hinterpfoten des Bibers sind dagegen gross und kräftig. Die langen Zehen sind mit Schwimmhäuten verbunden. Sie sind wichtig, damit der Biber schnell schwimmen und tauchen kann.

Eine Kelle für alle Fälle

Die Kelle ist der abgeflachte, breite Biberschwanz. Dieser ist mit hornartigen Hautplättchen besetzt. Die Kelle ist vielseitig einsetzbar. Wie eine Fischflosse dient der Biberschwanz beim Schwimmen für Antrieb und Steuerung. Beim Fressen im Wasser balanciert sich der Biber mit seinem Schwanz aus. An Land kann er sich damit abstützen. Auch zur Kommunikation wird die Kelle eingesetzt. Er signalisiert den anderen Familienmitgliedern Gefahr, indem der Biber mit der Kelle laut auf das Wasser klatscht.

Wenn Bäume die Anwesenheit des Baumeisters verraten

Entlang unserer Bäche und Flüsse zeugen Nagespuren an Baumstämmen oder –ästen von der Anwesenheit von Bibern, auch wenn man den Biber selbst nicht sieht. Die grossen, meisselartigen Schneidezähne wachsen ein Leben lang. Sie sind auf der Aussenseite mit einem orangeroten, ausserordentlich harten Zahnschmelz versehen. Das Zahnbein dahinter ist eher weich.

Durch diesen Aufbau nutzen sich die Zähne während des Nagens so ab, dass sie sich selber schärfen. Zusammen mit den sehr starken Kaumuskeln machen sie den Biber zu einem hervorragenden Holzfäller. Einen Baum von 30 bis 40 cm Stammdurchmesser fällt ein Biber ohne weiteres in einer Nacht. Wie eine Sanduhr sieht der rundum abgenagte Stamm aus – dann fällt er!

Der Biber kann auch unter Wasser fressen und nagen. Eine Hautfalte hinter den Nagezähnen verschliesst dann automatisch den Mundraum damit der Biber kein Wasser verschluckt.

Pro Gewässerabschnitt lebt jeweils eine Biberfamilie

Biberbau © Peter Lakerfeld

Der Biberbau ist das Herzstück eines Biberreviers. Sein Eingang liegt immer unter der Wasseroberfläche, als Schutz vor Feinden. Falls nötig, staut der Biber darum auch ein Gewässer.

Jede Biberfamilie beansprucht rund um ihren Bau ein Gebiet, das sie vehement gegen fremde Biber verteidigt. Diese Fläche nennt man «Revier». Mit dem so genannten «Bibergeil», welches in den Afterdrüsen produziert wird, markiert der Biber sein Gebiet. Falls sich ein anderer Biber trotzdem in das Revier hineinwagt, wird er von den Besitzern sofort verjagt. Nicht selten kommt es dabei zu Bisswunden. Sie können sogar tödlich sein, wenn sich die Wunde infiziert.
 


Der Biberbau - my home is my castle

Je nach Nahrungsangebot sind die Reviere unterschiedlich gross. Bei einem hohen Bestand an Weichhölzern kann eine Uferstrecke von 700 Metern Länge für ein Revier ausreichen. In der Regel umfasst es aber mehr als einen Kilometer. Bei schlechten Nahrungsbedingungen beansprucht eine Biberfamilie auch schon mal einen Gewässerabschnitt von drei Kilometern für sich.

Der Biberbau bietet der Biberfamilie Schutz vor Feinden, Hitze und Kälte. Hier schläft die ganze Familie und junge Biber wachsen darin auf. In Mitteleuropa bauen und wohnen Biber meist in einem Erdbau. Dazu graben sie zuerst einen aufsteigenden Gang in einen steilen und lehmigen Uferhang. 

Der Eingang liegt dabei immer unter Wasser. Bei Gefahr kann ein Biber so direkt ins Wasser fliehen und sich in seinem Bau in Sicherheit bringen. Der Eingang unter Wasser bewahrt ihn auch vor ungebetenen Gästen wie Fuchs oder Dachs. Am Ende des Ganges, sicher über dem Wasserspiegel gelegen, wird der Bau zu einem Kessel verbreitert. Dort ist dann später der Wohnkessel der Biberfamilie. Von aussen ist ein Erdbau in der Regel nicht erkennbar.
 

Ewiger Baumeister

Ein Biber ist mit seinem Heim nie zufrieden. Ständig werkelt er etwas herum, baut neue Äste und Zweige ein, vergrössert und verändert. Nicht von ungefähr existiert die englische Redensart: «Work like beavers» (arbeiten wie ein Biber).

Es bibert im Bau

Im Wohnkessel des Biberbaus mit rund einen Meter Durchmesser lebt die ganze Biberfamilie: Bibereltern und zwei Generationen Jungbiber. Kommt im Frühling eine neue Bibergeneration auf die Welt, müssen die zweijährigen Jungbiber ausziehen. Sie müssen sich jetzt eigene Biberreviere suchen. Sollten sie dies nicht freiwillig tun, so jagen die Eltern sie unsanft weg. Bibervater und Bibermutter hingegen bleiben ein Leben lang zusammen, normalerweise im gleichen Revier.

Nach einer Tragzeit von rund 3.5 Monaten bringt die Bibermutter zwischen April und Juni ein bis vier Biberjunge auf die Welt. Biberbabys sind Nestflüchter und kommen mit offenen Augen, behaart und mit kleinen Nagezähnen zur Welt. Zwei Monate lang werden sie gesäugt. Sie bleiben während den ersten vier bis fünf Wochen im Bau und schwimmen auch schon im inneren Eingangsbereich des Baus herum. Tauchen können die Kleinen allerdings noch nicht. Dazu sind sie zu leicht, reiben wie ein Stück Kork auf dem Wasser und beherrschen auch die Tauchtechnik noch nicht.

Im Alter von ungefähr vier Wochen verlassen die kleinen Biber gemeinsam mit ihren Eltern erstmals den Bau. Sie bleiben sehr nahe bei den Eltern und flüchten sich immer wieder auf deren Rücken. Während rund einem Jahr werden sie von den Eltern und den älteren Geschwistern beaufsichtigt. Nach zwei bis drei Monaten fressen sie auch Pflanzen. Mit einem Jahr Lebenserfahrung können die Jungbiber nun auch stärkere Äste durchnagen oder erste Bäume fällen.
 

Bibermenu: Von Gräsern über Feldfrüchte bis zu Weidenrinde

Der Biber ist ein reiner Vegetarier. Im Sommer frisst er sich quer durchs Nahrungsangebot. Im Winter wird er zum Weidenrindenspezialist.

Auf dem Speiseplan der Biber stehen rund 300 krautige oder verholzte Pflanzen. Gern gefressen werden Mädesüss, Wiesenbärenklau, Kanadische Goldrute, Weisser Honigklee, Ampfer-Knöterich, Löwenzahn oder Brennnesseln. Besonders schätzt der Biber auch die stärkehaltigen Knollen und Wurzelstöcke von Schwertlilie, Rohrkolben sowie See- und Teichrose.

Da die landwirtschaftlichen Kulturen heute oft bis nahe ans Ufer von Gewässern angebaut werden, bedient sich der Biber gerne auch mit Feldfrüchten wie Zuckerrübe oder Mais. Weil die Biber normalerweise nur die Randzonen der Felder durchstöbern, halten sich die Schäden meist in Grenzen. Im Herbst ergänzt der Biber seinen Speiseplan durch Fallobst.

Drei bis vier Kilo Rinde pro Tag

Biber beim Fressen © Maurice Robaday Mair

Im Winter ist die Nahrung knapper und der Biber wird zum Rinden-Nahrungspezialisten. Der Biber nutzt in dieser Jahreszeit am liebsten Rinde und Knospen von Weiden und anderen Weichholzarten. Im Herbst und Winter sieht man daher deutlich mehr Nagespuren an den Bäumen. Weiden haben den Vorteil, dass sie nach dem Fällen rasch Stockausschläge und damit neue Nahrung bilden – gewissermassen Fastfood für Biber. Ein Biber frisst im Tag etwa drei bis vier Kilo Blätter und Rinde.

Energie und Nährstoffe dank kleinen Helfern

Die Winternahrung Rinde ist nicht besonders nahrhaft und enthält auch verschiedene Schutzstoffe. Um die Pflanzenfasern und die Borke verdauen zu können, hat sich der Biber angepasst: Sein Blinddarmsack hat ein riesiges Volumen und enthält verschiedene Bakterienstämme. Die Nahrung geht in einer ersten Runde in den Blinddarmsack und wird von diesen Bakterien vorverdaut. Der Biber scheidet dann einen weissen Pflanzenbrei voll von Protein, Eiweiss und Vitaminen aus und frisst ihn erneut. In der zweiten Runde durch den Magendarmtrakt kann der Biber diese Inhaltsstoffe schliesslich verwerten.

Kluger Rat, Notvorrat

Biber halten keinen Winterschlaf. Sie sorgen vor und legen Wintervorräte an. Die Tiere sammeln vor dem Baueingang unter Wasser einen Vorrat aus Ästen an. Dazu rammen sie die Äste in den Boden, damit sie nicht weggetrieben werden. So muss die Biberfamilie an besonders kalten Tagen keine Energie für die Nahrungsbeschaffung aufwenden. Die Tiere können dann bequem im Wasser, in strengen Wintern sogar unter der Eisdecke, zu ihrem Vorrat schwimmen und die Äste in den Bau schleppen.

Biber: Der Baumeister schafft sein eigenes Paradies

Biber sind die einzigen Tiere, die ihren Lebensraum selber gestalten. So kann der Biber einen langweiligen Kanal in eine paradiesische Feuchtgebietslandschaft verwandeln – wenn wir ihn lassen. 

Der Wasserstand von Seen und Flüssen ist selten konstant, sondern verändert sich im Jahresverlauf. Wenn der Wasserstand sinkt, dann besteht die Gefahr, dass die Eingänge des Biberbaus plötzlich trocken liegen. Der Biber hat dann keine direkte Verbindung mehr zum Wasser und der Eingang bietet nun für Feinde (Fuchs und Marder) ungeschützten Zugang.

Deshalb baut der Biber bei stark schwankenden Gewässern einen Damm, damit sich eine Art Stausee mit mehr oder weniger konstantem Wasserspiegel bildet. Solche Dämme findet man auch bei kleinen, flachen Gewässern, welche der Biber erst durch den Dammbau und den dadurch entstehenden Stausee überhaupt nutzen kann. Gleichzeitig entsteht so auch neuer Feuchtgebietslebensraum für viele andere Tierarten.

Biberdämme: Ausgeklügelte Konstruktionen mit eingebauter Wasserregulation

Der Biber ist ein erstaunlicher Baumeister. Beim Dammbau steckt er «abgeschnittene» Zweige und Stämme senkrecht in den Grund des Baches und befestigt sie mit Steinen, Schlamm, Schilf und was ihm sonst zwischen die Pfoten kommt.

Oft benutzt er auch einen über den Fluss gestürzten oder angeschwemmten Baum als Halt, um daraus einen Damm zu bilden. Die angeschleppten kleineren Äste werden dann zur Abdichtung mit Schlamm verkleistert. Schlamm befördert der Biber mit seinen Vorderbeinen, die er dabei wie Hände benützt, Äste und Stämme schleppt er mit den Zähnen.

Mit solchen Dämmen sind Biber in der Lage, ein Gewässer mehr oder weniger zu regulieren. Bei Hochwasser und entsprechender Überschwemmungsgefahr des Wohnkessels nehmen sie die obersten Äste des Damms weg, damit mehr Wasser ablaufen kann. Bei Wassermangel erhöhen sie den Damm, bis fast kein Wasser mehr abfliesst.
 

Warum fällen Biber Bäume?

Ein vom Biber angenagter Baum © Susanna Meyer

Biber sind reine Vegetarier. Während andere Tiere Winterschlaf halten oder nach dürrem Gras suchen, bleibt der Biber am Fluss und frisst kiloweise Rinden von Weidenbäumen und -büschen. Am besten schmecken die feinen Zweige und Knospen hoch oben in den Kronen. 

Doch wie soll das 20 bis 30 Kilogramm schwere Tier dort hinauf kommen? Klettern kann der amphibische Tausendsassa nicht. Also legen die Biber die Gehölze kurzerhand flach und verzehren ihr Picknick gemütlich am Boden oder im Wasser. Im Sommer stehen übrigens auch allerlei Kräuter, Maiskolben und Früchte auf dem Menüplan – je nach dem, was sich in unmittelbarer Wassernähe finden lässt.
 

In der Schweiz sind Dämme eher selten

Frassplatz der Biber © Susanna Meyer

Der Dammbau machte den Biber einerseits berühmt, andererseits aber auch berüchtigt. Denn durch den Stauprozess werden benachbarte flache Uferbereiche überflutet. Dadurch sterben Bäume ab, die keine lang andauernde Überflutung ertragen, wie z.B. die meisten Nadelhölzer, aber auch Eichen und Buchen. Weichhölzer wie Weiden und Pappeln hingegen sind auf periodisch überflutete Gebiete spezialisiert. Ihre Wurzeln können auch längere Zeit im Wasser stehen. So verändert der Biber Fluss- und Bachlandschaften vollkommen.

Potrebbe anche interessarti