Mediencommuniqué

Energiewende, Stand 2014: Sonne, Wind und Co. ersetzen AKW Mühleberg

25.08.2014

Im Jahr 2014 produzieren die neuen Erneuerbaren Energiequellen gleich viel Strom wie das AKW Mühleberg. In der Energiewende steckt Dynamik und die Schweizer Volkswirtschaft wächst schneller als der Energieverbrauch. Der Energiewende-Index der Umweltallianz zeigt aber auch:  die Energiewende  braucht stärkeren politischen Rückenwind. Das Parlament in Bern kann sich dabei auf eine positive Haltung der Bevölkerung in den Kantonen abstützen, wie eine Analyse der kantonalen Abstimmungen zeigt.

 

Die Umweltallianz  beurteilt jährlich den Stand der Energiewende: faktenbasiert, aufwändig mit 18 Indikatoren. Mit dem von Ernst Basler + Partner fachlich unterstützten Energiewende-Index haben die Organisationen das dazu notwendige Instrumentarium erarbeitet. Der Index dient der Langfrist-Kontrolle, ob die Schweiz mit der Energiewende auf Kurs ist.

 

Momentaufnahme 2014: Die hochgerechnete Jahresproduktion an Strom der neuen Erneuerbaren (Biomasse, Sonne und Wind) beträgt 2‘738 GWh und bewegt sich auf der Höhe der durchschnittlichen Produktion des AKW Mühleberg (2‘900 GWh). Die Emissionen der Stromerzeugung haben sich zudem genauso positiv entwickelt wie die Stromausgaben der Haushalte. Bei der Versorgungssicherheit (wenig Stromausfälle) ist die Schweiz unter den Top 3 in Europa und die Energieintensität der Schweizer Volkswirtschaft entwickelt sich positiv (fortschreitende Entkoppelung von Wirtschaftswachstum und Energieverbrauch). Doch das alles genügt noch nicht! Der Index besagt, dass die Energiewende läuft – aber noch nicht so schnell, wie sie sollte und könnte. Wir sind noch nicht auf Kurs. Faktoren wie Emissionen der Energienutzung (Verkehr!) oder die Emissionen für Konsum (Importe) haben sich gar verschlechtert.

 

Boomender Zubau bei den Erneuerbaren

Die Biomasse (Holz, Landwirtschaft, Abfall) wird 2014 hochgerechnet 1‘848 GWh Strom produzieren, die Photovoltaik 782 GWh und die Windkraft 108 GWh. Zusammen kommen sie auf 2‘738 GWh und verstärken die „alte“ erneuerbare Energie, die Wasserkraft.

 

Der Ausbau der Photovoltaik ist DER Renner bei den neuen Erneuerbaren Energiequellen. Dies trifft sich gut, denn die Solarenergie und die Wasserkraft passen zusammen. Gemeinsam können sie die ganzjährige Versorgungssicherheit garantieren – ohne Ausland-Abhängigkeiten und CO2-Emissionen durch Erdgas-Anlagen. Zudem: Eine fertig installierte Kleinanlage kostet heute viermal weniger als im Jahr 2004. Daher wird die Schweiz die als negativ bezeichnete Förderkosten-Entwicklung in Deutschland NICHT wiederholen.


Positive Signale aus kantonalen Volksabstimmungen

Von den acht kantonalen Volksentscheidungen 2013/2014 im Umfeld der Energiewende sind sechs im Sinne der erneuerbaren Energien und zu Gunsten einer naturverträglichen Wende ausgefallen. In den Kantonen GR, ZH, SG, NE und SO hat sich das Volk für einen massvollen Ausbau der erneuerbaren und gegen fossile Energien (GR) ausgesprochen. Dabei werden der Nutzen für die Energiewende und die Kosten für den Naturschutz durchaus gegeneinander abgewogen, wie das Beispiel Schaffhausen zeigt. Am Beispiel des befürwortenden Entscheids der Zürcher Stimmbürger/innen für Energiezonen mit höherem Anteil an erneuerbarer Energie wird offenkundig, dass ein konzeptionelles Vorgehen, das Planungsgrundlagen schafft, Zustimmung finden.

 

Die  Gemeindeversammlung von La Punt-Chamues-ch (Schutz eines Kleingewässers) oder Schaffhausen (Rheinfall) zeigen den Weg. Die wenigen noch unberührten Täler und Gewässer bleiben wie sie sind: unberührt. Anlagen für erneuerbare Energien sollen zugebaut werden, aber am richtigen Ort und die „Schulreise-Schweiz“ (Rheinfall) bleibt so wie sie ist.

 

Forderungen an die Politik

In der Wintersession 2014 nimmt der Nationalrat die Debatte der bundesrätlichen Energiestrategie 2050 auf. Diese bringt zwar noch nicht die volle Energiewende, doch ist sie ein erster wichtiger Schritt für eine vernünftige Energiepolitik.

 

So verleiht die Politik der Energiewende Rückenwind:

 

  • Rückhalt für die Energiewende in der Bevölkerung (Umfragen, kantonale Abstimmungen) zur Kenntnis nehmen und als Wählerauftrag verstehen.
  • Verbindliche Effizienzziele ins Gesetz nehmen. Gesparte Energie ist am günstigsten.
  • Einführung eines Effizienz-Instrumentes für kleine und mittlere Verbraucher (weisse Zertifikate, Stromsparbonus).
  • Deckel der KEV so anheben, dass der kumulierte Gesamtzubau von 24 TWh erneuerbarem Strom bis spätestens im Jahre 2034 realisiert werden kann.
  • Dreckstromabgabe auf Produktion von Atom- und Fossilstrom (Inland und Importe).
  • Stopp der unverhältnismässigen Zerstörung von noch unverbauten Kleingewässern sowie keine Beeinträchtigung von Biotopen von nationaler Bedeutung.
  • Begrenzung der Laufzeiten der AKW um das Atomrisiko zu eliminieren. Unverzügliche Abschaltung der AKW über 40 Jahre.

 

Für weitere Fragen:

 

  • Elmar Grosse Ruse, Projektleiter Klima & Energie WWF Schweiz, 076 745 23 41
  • Markus Allemann, Co-Geschäftsleiter Greenpeace Schweiz, 079 833 15 69
  • Urs Leugger-Eggimann, Zentralsekretär Pro Natura, 079 509 35 49
  • Suisse Romande: Catherine Martinson, Leiterin Regionalarbeit WWF Schweiz, 079 360 56 75

 

Referate, Definition Energiewende, kant. Abstimmungen etc.: www.umweltallianz.ch

Index: www.energiewende-index.ch

 

Die Umweltallianz (Greenpeace, Pro Natura, VCS und der WWF) wird für die Begleitung der Energiewende ergänzt durch Equiterre, Schweizerische Energiestiftung und SVS/BirdLife Schweiz.

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