Mediencommuniqué

Schweizer Wolfspolitik im Abseits

27.11.2012

Die Schweiz blitzt in Strassburg ab – eine Aufweichung des Wolfschutzes steht in Europa nicht zur Debatte. Der Antrag der Schweiz wurde klar abgelehnt.

 

Mit dem Nein des Ständigen Ausschusses der Berner Konvention bleibt der Wolf nach wie vor auch in der Schweiz streng geschützt. Die EU hatte sich dagegen ausgesprochen, obwohl in Ländern wie Frankreich viel mehr Wölfe leben. Allerdings hatte das Schweizer Parlament schon im Voraus beschlossen, dass der Bund in diesem Fall die Konvention aufkündigen soll. „Nach dem deutlichen Verdikt muss sich die Schweiz nun gut überlegen, ob sie tatsächlich wegen einem Dutzend Wölfen eine international bewährte Konvention aufkündigen will. Dieses Abkommen schützt seit über dreissig Jahren Hunderte von Pflanzen und Tieren in ganz Europa“, sagt Kurt Eichenberger, Grossraubtier-Experte beim WWF Schweiz.

 

Statt symbolische Schaukämpfe in Strassburg zu führen, sollte der Bund besser eine lösungsorientierte Wolfspolitik betreiben. „Es braucht deutlich mehr Geld für den Herdenschutz und den politischen Willen, konstruktive Lösungen umzusetzen. sagt Mirjam Ballmer, Projektleiterin Naturschutzpolitik bei Pro Natura. Die Rückkehr der grossen Beutegreifer in die Schweiz ist ein natürlicher Prozess, der langfristig geplant werden muss. Konflikte können mit konkreten Massnahmen entschärft werden.

 

[Infobox Hintergrund]

Motion „Revision von Artikel 22 der Berner Konvention" (10.3264)

Ständerat und Nationalrat hatten am 2. Juni, bzw. am 30. September 2010 die Motion des Walliser Ständerates Jean René Fournier „Revision von Artikel 22 der Berner Konvention" angenommen. Verlangt wird darin, dass der Bundesrat ein Gesuch zur Anpassung der Berner Konvention einreicht, welche der Schweiz erlauben würde, den Wolfsschutz abzuwerten und Wölfe somit unter erleichterten Bedingungen abzuschiessen. Die Schweiz reichte daraufhin am 16. November 2011 ein entsprechendes Begehren ein. Über dieses Begehren befand heute der Ständige Ausschuss der Berner Konvention. Für eine Annahme wäre eine Dreiviertel-Mehrheit des Gremiums notwendig gewesen. Die Motion Fournier fordert bei einem negativen Entscheid des Ständigen Komitees, dass die Schweiz die Berner Konvention kündigt.

 

Entwicklung des Wolfsbestandes in der Schweiz

Der Wolfsbestand in der Schweiz ist mit rund einem Dutzend Tieren weiterhin sehr klein. Er ist auch über die letzten Jahre nicht gewachsen, ganz im Gegensatz zu vergleichbaren Regionen in Frankreich. Mehr dazu unter www.kora.ch. Zur Zeit kommt kaum Nachwuchs aus den benachbarten Alpenländern. Wilderei wurde im Aostatal nachgewiesen und ist auch in der Schweiz nicht auszuschliessen. Seit diesem Jahr gibt es im bündnerischen Calandatal die erste Schweizer Wolfsfamilie mit zwei bis drei Welpen.

 

 

Kontakt:

Mirjam Ballmer, Projektleiterin Naturschutzpolitik Pro Natura, Mobil 079 416 65 94

Kurt Eichenberger, Grossraubtier-Experte WWF Schweiz, Mobil 079 830 96 80

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