Traktor mit Schleppschlauch und Fass auf dem Feld. © Andrea Haslinger © Andrea Haslinger
19.08.2026 Landwirtschaft

Das Schweizer Nährstoffproblem lösen: mit Daten statt Ignoranz

Die Wirtschaftskommission des Nationalrates (WAK-N) hat an ihrer gestrigen Sitzung den Entscheid des Ständerates zur Streichung der Mitteilungspflicht für Nährstoffe bestätigt. Damit geht das Geschäft an den Ständerat zur Erarbeitung eines entsprechenden Erlassentwurfes. Pro Natura warnt vor den gravierenden Folgen für Natur und Mensch, wenn wir die Ursachen der Überdüngung unserer Böden, Wälder und Gewässer nicht kennen und beheben.

In Gebieten mit zu hohen Nutztierbeständen – insbesondere im Mittelland – wird seit Jahrzehnten die ökologische Tragfähigkeit unserer natürlichen Lebensgrundlagen überschritten. Aufgrund der damit einhergehenden Überproduktion von Mist und Gülle wird das Umland inklusive der Mittellandseen überdüngt und Stickstoffgrenzwerte im Boden und Wasser deutlich überschritten. Da es keine detaillierten regionalen Nährstoffbilanzen gibt, fehlen den Behörden die Grundlagen, um gezielte Gegenmassnahmen zum Schutz unserer Böden und Gewässer zu treffen. 

Das Versprechen von 2021

Diese fehlende Datengrundlage gilt für die ganze Schweiz. Genau hier setzt Digiflux an. Die Plattform macht Nährstoffströme sichtbar, ermöglicht gezielt lokale Massnahmen statt Giesskannenprinzip und skaliert wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Forschung in die Praxis. Die Mitteilungspflicht für Nährstoffe ist das Rückgrat dieser Transparenz. Nun wollen zwei Vorstösse aus dem Parlament (Standesinitiative Bern und Parlamentarische Initiative Stark) diesen Punkt streichen. Das ist kein technisches Detail, das widerspricht dem Prinzip von Treu und Glauben.
Das Stimmvolk lehnte die Trinkwasser- und Pestizidinitiativen ab, weil das Parlament Absenkpfade für Nährstoffe versprach: 15 Prozent weniger Stickstoff bis 2030, 20 Prozent weniger Phosphor. Der Schweizer Bauernverband unterstützte die Mitteilungspflicht explizit. Jetzt soll ein Kernelement wieder gestrichen werden, während die gefährlichen Gülleüberschüsse in unseren Böden und unserem Wasser bleiben.

Ohne Daten keine Lösungen

Die Vorstösse wollen das Ziel von weniger Nährstoffüberschüssen behalten, lehnen aber die Mitteilungspflicht ab, um die Zielerreichung zu überprüfen. Das funktioniert nicht. Und es hilft der Landwirtschaft nicht – im Gegenteil: Ohne Transparenz bleibt der Verdacht, dass allein sie schuld ist. Mit Digiflux sieht der Bund, wo gezielt angesetzt werden muss und wo regionale Sofortmassnahmen nötig sind. Die Alternative: Alle Betriebe machen alles gleich, auch dort, wo das sinnlos ist.

Pro Natura unterstützt die Mitteilungspflicht für Nährstoffe und lehnte die Standesinitiative Bern und die Parlamentarische Initiative Stark ab. Nun wird die Wirtschaftskommission des Ständerats (WAK-S) einen Erlassentwurf ausarbeiten. Hier wird sich Pro Natura weiter mit Fakten und Argumenten einbringen.

Weitere Informationen:

Kontakt: 

  • Marcel Liner, Landwirtschaftsexperte bei Pro Natura, Tel. 061 317 92 40, @email 
  • Medienstelle Pro Natura, Tel. 079 826 69 47, @email