Aufzeichnung Online-Vortrag: Bunte Natur für Garten und Balkon - ein schlummerndes Potenzial
Mehr einheimische Pflanzen im Garten bringen Schmetterlinge zum Tanzen. Dank gesichertem Kellerabgang und durchlässigen Zäunen streifen Kröten und Igel sicher durch Ihren Garten. Und auch auf Ihren Balkon laden Sie mit nur wenigen Handgriffen Schmetterlinge und Wildbienen ein. Agneta Heumann vom Ratgeberteam erklärt Ihnen, wie Sie bereits im Frühling grosse und kleine tierische Gäste zu sich locken können und warum Sie lieber Blumen säen statt Zierrasen mähen sollten.
An diesem Abend gehen wir auch auf das Potenzial der Natur im Siedlungsraum ein. Im urbanen Alltag umgibt uns nämlich etwas kaum Wahrgenommenes: ein lebendiges Netzwerk der Natur, das durch unsere Städte und Dörfer pulsiert. Stärken wir gemeinsam dieses Netzwerk, knüpfen wir neue Verbindungen und laden wir die Natur in unseren Wohnort ein – für eine lebendige Vielfalt direkt vor unserer Haustür!
Ein Online-Abend voller faszinierender Einblicke
Begleiten Sie uns auf eine spannende Reise in die Welt der Naturoasen im Siedlungsraum. Agneta Heumann verrät Ihnen:
- Wie Sie Ihren Garten oder Ihren Balkon mit wenig Aufwand naturnah gestalten – und so mehr Genuss und spannende Begegnungen mit der Natur in Ihr Leben holen.
- Warum die Natur im Siedlungsraum ein so grosses Potenzial besitzt und wie viel Verborgenes direkt vor unserer Haustüre schlummert.
- Wieso jeder naturnahe Balkon, jeder blühende Garten und jeder vielfältige Park ein wichtiger Knotenpunkt in diesem Mosaik der Natur ist und wie die Natur im Siedlungsraum in Zeiten zunehmender Verdichtung unter Druck kommt.
- Was Pro Natura für mehr Natur im Siedlungsraum tut und wie Sie selbst im Rahmen unseres Naturgartenprojektes BONJOUR NATURE aktiv werden können.
In der Schweiz leben 85 % der Menschen im Siedlungsraum. Die Gesamtfläche aller privaten Gärten ist etwa so gross wie der Bodensee – ein enormes Potenzial für bedrohte Tierarten wie Wildbienen, Vögel und Igel. Kein Gärtchen ist zu klein, um nicht einen Unterschied zu machen.
Drei Grundsätze sind entscheidend:
- Vielfalt: verschiedene Lebensräume wie Blumenwiese, Hecke, Kleinstrukturen - je mehr desto besser.
- Regionalität: Einheimische Pflanzen aus Ihrer Region bieten wahre Nahrungsbuffets an für zahlreiche Vogel- und Insektenarten. Gebietsfremde oder gezüchtete Pflanzenarten können hier nicht mithalten und sind darum weniger wertvoll.
- Pflege mit Mass: Weniger mähen, kein Dünger, aber bewusstes Handeln bringt die Blumenwiese zum Blühen und die Schmetterlinge und Insekten zum Brummen und Tanzen.
Als einfachste Variante reduzieren Sie die Mähfrequenz auf 1–3-mal pro Jahr und verzichten auf Dünger. Für schnellere Ergebnisse entfernen Sie die oberste Grasnarbe und säen regionale Wildblumenmischungen ein oder pflanzen Wildblumen direkt ein.
Im ersten Jahr mähen Sie die Fläche nach etwa zwei Monaten. Entfernen Sie das Schnittgut. Ab dem zweiten Jahr erfolgt das Mähen ein- bis dreimal jährlich, abhängig vom Standort und Wachstum. Mähen Sie immer gestaffelt und lassen Sie einen Bereich als Rückzugsort für Insekten stehen. Die Pflanzen können so auch absamen.
Mehr Informationen finden Sie in unserer Broschüre zu Blumenwiesen
Steinhaufen, Asthaufen, Trockensteinmauern und morsches Holz bieten Unterschlupf, Nahrung und Überwinterungsplätze – mit minimalem Platzbedarf und geringem Pflegeaufwand.
Ein praktisches Beispiel ist die Laubastburg für Igel: Legen Sie Holzscheite kreuzweise, füllen Sie schichtweise mit Laub und Ästen und decken Sie alles ab. So schaffen Sie einen sicheren Schlaf- und Überwinterungsplatz. Eine Anleitung finden Sie hier: So fühlt sich der Igel in Ihrem Garten wohl | Pro Natura
Einheimische Wildsträucher sind als Nahrungsquelle unersetzlich für viele Insekten (Nektar) und Vögel (Früchte): So bietet beispielsweise der Weissdorn Nahrung für über 200 Insektenarten, aber auch Schwarzdorn, Wildrosen und Holunder sind bekannte und in der Tierwelt sehr beliebte Arten. Wenn Sie genug Platz haben, pflanzen Sie am Besten eine Wildhecke. In kleineren Gärten oder auf Balkonen helfen auch einzelne Sträucher.
Wenn Wildtiere von einem Ort zum anderen gelangen möchten, sind sie auf viele Kleinstrukturen und Versteckmöglichkeiten angewiesen. Die Ansprüche sind sehr unterschiedlich.
Ein Fuchs kann im Laufe einer Nacht mehrere Kilometer zurücklegen und viele Hindernisse überwinden. Ein Igel braucht alle 250 Meter eine kleine Zwischenstation, ausserdem können ihn Zäune, Mauern und Treppen leicht aufhalten. Fledermäuse fliegen sehr gerne entlang von Hecken, meiden aber offene Flächen. Viele Wildbienen fliegen vielleicht nur gerade 100, 200 Meter weit. Es braucht mehr Vielfalt für die Natur im Siedlungsraum!
Ein Gewässer ist wertvoll – ohne Fische, da diese Laich und Kaulquappen dezimieren. Sorgen Sie mit Steinen oder anderen Ausstiegshilfen dafür, dass Tiere leicht aus dem Wasser kommen. An Land benötigen Erdkröten und Molche feuchte Stellen als Unterschlupf.
Ja sicher, keine Fläche ist zu klein für die Natur! Wenn Sie nur wenig Platz haben: Beziehen Sie die Vertikale mit ein, das vergrössert die Fläche (Hänge- und Kletterpflanzen).
- An sonnigen Standorten eignet sich Majoran, Thymian oder auch die Wilde Malve (ausgezeichnet für Wildbienen).
- Auf schattigen Balkonen fühlt sich das Lungenkraut, die Glockenblume (sehr beliebt bei Insekten) oder auch Efeu als wichtige Nahrungsquelle für die Efeuseidenbiene sehr wohl, mit spektakulärer Blüte von älteren Pflanzen im Herbst.
Wenn Sie hängende Pflanzen bevorzugen, dann haben Sie vielleicht grosse Freude am Blutroten Storchenschnabel. Auf grösseren Balkonen bieten sich auch als Sichtschutz einheimische Sträucher wie die Alpenjohannisbeere oder auch Wildrosen, Hopfen als kletternde Pflanzenart an.
Achten Sie darauf, dass von März bis September durchgehend etwas blüht. Mehrjährige Pflanzen giessen Sie im Winter auf sehr trockenen Standorten einmal im Monat, das genügt.
Um die passenden Pflanzen für Ihren Garten oder Balkon zu finden, empfehlen wir Ihnen den Pflanzenfinder von Info Flora
Wenn Sie Ihre Auswahl getroffen haben, werden Ihnen auch mögliche Bezugsquellen vorgeschlagen. Vielleicht brauchen Sie etwas Geduld und eigene Recherche: Die Vielfalt einheimischer Pflanzen ist gross und nicht überall gibt es immer alles.
Für Wildbienen-Nisthilfen sammeln Sie markhaltige Pflanzenstängel (1–2 cm Durchmesser, 50 cm–1 m Länge) von Brombeeren oder dürren Stauden. Bündeln Sie diese senkrecht. Lassen Sie sie lange stehen – die Entwicklung der Wildbienen dauert häufig bis zum nächsten Jahr.
Mehr Tipps und Tricks erhalten Sie auch auf unserer Webseite zum naturnahen Balkon
Bereiten Sie sich gründlich vor: Sammeln Sie Informationen, weshalb eine Blumenwiese wertvoll ist, legen Sie ihr persönliches Ziel fest, zum Beispiel mehr Kleinstrukturen. Betonen Sie im Gespräch die Vorteile: weniger Mähaufwand, mehr Naturerlebnis, mehr Vielfalt. Bieten Sie an, die Pflege selbst zu übernehmen oder helfen Sie mit bei der Organisation. Offene Gespräche sind der erfolgreichste Weg.
Im Garten gibt es zahlreiche Fallen für Kleintiere: Töpfe, in denen Tiere steckenbleiben, Teiche mit steilen Ufern und Lichtschächte sind häufige Fallen. Die Lösungen sind einfach: Töpfe umdrehen, Steine ins Wasser legen, Fliegengitter anbringen, bei Kellertreppen kleine Steinstufen bauen.