Gerettete Spitzmaus auf einer Hand

Barrieren und Fallen im Siedlungsraum

Kleine Massnahmen, grosse Wirkung: Im Siedlungsraum, im Garten und rund ums Haus gibt es viele Barrieren und Fallen für Kleintiere. Häufig sind uns diese nicht bewusst. Doch sie lassen sich mit geringem Aufwand entschärfen.

Viele kleine, aber auch grössere Tiere nutzen überbautes Gebiet als Teil ihres Lebensraums. So finden beispielsweise Siebenschläfer im Dachstock ein Zuhause, Bergmolch und Wasserfrosch tummeln sich im Gartenbiotop und der Igel macht den Schnecken im Salatbeet den Garaus. Auch Fuchs und Steinmarder wagen sich in Dörfer und Städte. Doch wir Menschen nehmen unseren Mitbewohnern da und dort unbewusst ihren «Wohnraum» oder lassen sie in tödliche Fallen laufen.

Achten Sie darauf, bestehende Wildfallen zu beseitigen bzw. keine neuen zu schaffen. Mit wenig Aufwand helfen Sie der Natur. Dörfer und Städte dienen weiterhin einer vielfältigen Tierwelt als Lebensraum. Gleichzeitig steigern Sie so den Erlebniswert des Siedlungsraums und verhalten sich gegenüber der Natur verantwortungsbewusst.

Was Sie tun können

    Zu diesem Thema gibt es auch zwei Faltblätter, mit Titel «ACHTUNG Wildtiere!» oder «Amphibien rund ums Haus». Auf Wunsch senden wir Ihnen gerne mehrere Exemplare zu. Bitte nehmen Sie mit uns per E-Mail Kontakt auf.



    Dachstock mit Vogelhäusern © Jan Gürke
    Mit wenigen Tricks kann man Vögeln und Fledermäusen in seinem Dach ein Zuhause bieten.

    Unterschlupf im Dach

    Dachstöcke sind auch Wohnraum für Fledermäuse und bestimmte Vogelarten. Achten Sie darauf, dass bei Arbeiten am Haus keine Einschlupf-Löcher verschlossen werden. Oft werden Tiere so eingeschlossen oder aus ihrem Wohnquartier ausgesperrt. Bitte ziehen Sie bei Renovationen und Umbauten von Dächern Fledermaus- oder Vogel-Fachpersonen bei.

    Leere Eimer, ein Kessel mit Gartenwerkzeug © Jan Gürke
    Im Garten unscheinbare Gegenstände, für Kleintiere sind sie tödliche Gefahren.

    Keine offenen Eimer

    Bitte denken Sie bei Ihren Arbeiten draussen an den Schutz von Kleintieren rund ums Haus: Lassen Sie keine offenen Gefässe wie Blumentöpfe, Eimer und ähnliches im Garten herumstehen. Diese werden rasch zu Todesfallen für hineingefallene Mäuse und andere Kleintiere: Bitte Gefässe verschliessen, umdrehen oder direkt im Keller versorgen.

    Grosse Glasscheiben, in denen sich die Umgebung spiegelt © Jan Gürke
    Grosse Glasfronten können Vögel nicht erkennen – Unfälle sind vorprogrammiert.

    Warnfolien für Vögel

    Bitte kleben Sie Vogelschutzfolien oder farbige Birdstripes auf Ihre Glasscheiben, damit Vögel nicht dagegen fliegen und sich verletzen. So verhindern Sie, dass die Glasscheiben die Umgebung spiegeln und eine hindernisfreie Flugbahn vortäuschen. Besonders problematisch sind Glasfronten wie Wintergärten, Balkonverglasungen und grosse Fenster.

    Öffentlich zugängliche Treppe, die in eine Unterführung führt © Jan Gürke
    Ein Brett reicht, damit sich Kleintiere aus ihrer misslichen Lage befreien können.

    «Steighilfe» bei Schächten

    Ebenerdig angelegte Licht-, Lüftungs- oder Entwässerungsschächte sind für Kleintiere tödliche Fallgruben. Kellerabgänge haben eine ähnliche Wirkung: Amphibien, Reptilien, Laufkäfer oder Mäuse, selbst Igel können hinunterfallen und finden keinen Ausweg mehr wegen der senkrechten Schachtwände oder Treppenstufen.

    Sie können Abhilfe schaffen, indem Sie den Schacht mit einem feinmaschigen Gittergeflecht abdecken, einen erhöhten Rand oder einen Keilgraben um den Schacht oder Kellerabgang anlegen. Das Anbringen einer «Steighilfe», z.B. mit einem schmalen Holzbrett, das über den Treppenabgang oder in den Schacht gelegt wird, ermöglicht Tieren den Aufstieg. Ein neu angelegter Lichtschacht kann mit stufig abfallenden Steinen ausgekleidet werden.

    Aufeinandergeschichtete Holzäste als Winterlager für Kleintiere © Jan Gürke
    Für uns mag es ein bisschen chaotisch aussehen, dafür finden Kleintiere hier optimale Winterlager.

    Winterlager stehen lassen

    Ein naturnaher Garten bietet viele Verstecke für kleine Wildtiere. Bitte nehmen Sie Rücksicht beim Aufräumen Ihres Gartens. Durch das Verbrennen von Asthaufen und Entfernen von Brennholzbeigen verlieren zum Beispiel Igel oder Mäuse ihr Winterlager. Etwas «Unordnung» darf sein – als wichtiger Beitrag für mehr Biodiversität im Siedlungsraum.

    Ein Kiesweg führt zwischen natürlichen Stein^mauern hindurch. © Andrea Haslinger
    Wer auf Asphalt und Beton verzichtet, bietet Kleintieren einen natürlichen Lebensraum.

    Finger weg von Asphalt und Beton

    Grünflächen und Gärten im Siedlungsbereich sind für die meisten Tiere oftmals kein geeigneter Lebensraum, da sie weder Unterschlupf noch Nahrung bieten. Exotische Pflanzen sind für die einheimische Fauna meist nutzlos, ein kurzgeschnittener, gedüngter Rasen ist sehr artenarm, das Fehlen von blühenden Pflanzen macht ihn für viele Insekten wertlos. 

    Ein abwechslungsreicher Naturgarten umfasst verschiedene Elemente wie Einzelbäume, Sträucher, Wiesen- und Kiesflächen, Trockenmauern, sonnige und schattige Plätze. Ungedüngte Gärten mit einheimischen Wildpflanzen sind bevorzugte Lebensorte für seltenere Arten.

    Garten mit natürlicher Pflanzenhecke und Steinmauer. © Andrea Haslinger
    Mit natürlichen Zäunen gewähren Sie Kleintieren, hindernisfrei zu passieren.

    Wildhecken statt Zäune

    Machen Sie Ihren Garten für Wildtiere zugänglich. Ersetzen Sie Zäune durch eine Wildhecke aus einheimischen Sträuchern. Diese schöne, natürliche Abgrenzung ist gleichzeitig eine wirkungsvolle ökologische Aufwertung. Soll es ein Zaun sein, wählen Sie bitte einen Holzzaun mit mindestens 15 cm Bodenabstand und Lücken als Durchschlupf.

    Kirschbaum mit reifen Früchten, darüber ein grünes Netz © Shutterstock / Thomas Barrat
    Netze können für Vögel oder Igel eine Todesfalle sein.

    Keine unnötigen Netze

    Netze über Beerensträuchern, Obstbäumen und Reben sind gefährliche Fallen für Wildtiere. Beim Durchschlüpfen verheddern sich zum Beispiel Vögel oder Igel und sterben qualvoll. Auch für Füchse, Dachse oder Rehe sind sie gefährlich. Verzichten Sie deshalb im Garten bitte auf unnötige Netze und Zäune.

    Falls ein Einsatz nicht zu vermeiden ist: Wählen Sie feinmaschige, weiche, grellfarbige Netze. Befestigen Sie diese korrekt und kontrollieren sie regelmässig, ob sie repariert werden müssen.

    Leerer Swimmingpool, gefüllt mit Schnee. © Shutterstock / iamjeffery
    Ob gefüllt oder leer: Swimmingpools und Gartenteiche sind für Kleintiere gefährlich.

    Teiche und Swimmingpools abdecken

    Gartenteiche oder Swimmingpools können für verschiedenste Kleintiere zur tödlichen Falle werden. Einerseits besteht die Gefahr des Ertrinkens im gefüllten, offenen Pool, andererseits können die Tiere im Winter in den geleerten Pool hinunterstürzen. Es gibt für Tiere kein Entkommen, wenn die Beckenwände zu steil oder gar senkrecht sind.

    Decken Sie Schwimmbecken und steilwandige Teiche nachts und im Winter ab, bringen Sie eine Ausstieghilfe mit einem Brett oder mit stufig aufgeschichteten Steinen an und erhöhen Sie den Beckenrand rundum. Eine attraktive Alternative ist ein Feuchtbiotop oder Schwimmteich mit flachen Uferbereichen.

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