Illustration Insektenkampagne © Pro Natura

Gemeinsam für mehr Insekten!

Insekten sind wertvolle Helfer unserer Ökosysteme. Wie wir sie schützen können, wissen wir – wir müssen es nur noch umsetzen. Nur so können wir das weltweite Insektensterben stoppen.

Insekten sind die artenreichste Klasse im Tierreich. Weltweit sind 60 Prozent aller Tierarten Insekten. Das Verschwinden von Insekten hat somit einen massiven Einfluss auf das Überleben anderer Arten. Das Insektensterben ist ein alarmierendes Zeichen für den allgemeinen Verlust an Biodiversität. Dieser Verlust bedroht unsere Lebensgrundlage, denn das Ökosystem ist wie ein Sicherungsnetz: Sind zu viele Fäden kaputt, hält das Netz nicht mehr.

Wenn in totem Holz neues Leben entsteht

Der Alpenbock

Viele Käferarten legen ihre Eier in abgestorbene Bäume oder Äste. Dort, wo der Wald wirtschaftlich genutzt wird, ist dieses Totholz aber rar geworden. Viele Käferarten, so etwa auch der Alpenbock, sind daher in Not geraten und vom Aussterben bedroht. Pro Natura reagiert darauf – zum Beispiel, indem wir Waldgebiete übernehmen.

Ein Beispiel ist die Bewirtschaftung des Gebiets Schwäntlen in der Gemeinde Bauen. Das nur mit dem Schiff erschlossene Ufergebiet am Urnersee weist nicht nur einen sehr artenreichen Baumbestand auf, sondern auch eine Blumenwiese, die vielen Insekten Heimat und Nahrung bietet.

Natürlicher Wald © Matthias Sorg © Matthias Sorg
Natürliche Wälder, wie hier im Nationalpark, zeichnen sich durch einen hohen Anteil an Alt- und Totholz aus. Unzählige Pilze, Insekten und Wirbellose leben vom und im Totholz und ermöglichen dessen Zersetzung.

Ausgewählte Bäume werden geringelt, damit sie absterben. Genau in diese Bäume legt der Alpenbock nun seine Eier. In anderen Fällen werden Bäume auch freigestellt und stehengelassen. Sterben sie dann natürlicherweise ab, werden auch sie zu heissbegehrten Kinderstuben für den Alpenbock. Hier kann die Larve drei bis vier Jahre lang leben und fressen, bis sie an die Oberfläche kommt und sich verpuppt. Der ausgewachsene Käfer lebt nur noch einige Tage. 

Massnahmen wie jene in Schwäntlen schützen den Alpenbock. Es braucht aber mehr: Auch in Wäldern, die intensiv bewirtschaftet werden, muss Totholz liegen bleiben für die Waldbewohner. Dafür und für vielfältige und artenreiche Wälder setzt sich Pro Natura auch in anderen Kantonen mit der Aktion «Spechte und Co.» ein.

Mehr Informationen zur «Aktion Spechte & Co.»

Wieso ein befreiter Bachlauf Insekten und Menschen Freude bereitet

Die gebänderte Prachtlibelle

Früher durften Bäche frei fliessen. In und am Wasser tummelten sich Libellen und deren Larven, viele andere Insekten und Amphibien. Mit der Intensivierung der Landwirtschaft wurden viele dieser wichtigen Wasseradern aber begradigt oder in unterirdische Röhren gesperrt. 

Einer davon war der Mülibach in Langrickenbach. Dank der Initiative eines Landbesitzers wurde der Thurgauer Mülibach im Sommer 2018 nach 70 Jahren endlich wieder ans Tageslicht geholt.

Eine Gebänderte Prachtlibelle sonnt sich © Adrien Zeender / Pro Natura © Adrien Zeender / Pro Natura
Eine Gebänderte Prachtlibelle sonnt sich

Der Weg zur neuen Freiheit eines Baches ist allerdings alles andere als einfach: Beim Mülibach musste die Bevölkerung und die angrenzenden Landwirte überzeugt werden, dass auch sie von dem Projekt profitieren. Dann fuhren schwere Maschinen auf, um das Betonkorsette zu entfernen, bevor der neue Bachlauf ausgebaggert werden konnte. Schon nach kurzer Zeit hat sich die Natur ihren ursprünglichen Lebensraum wieder zurückerobert. Die Gebänderte Prachtlibelle (Calopteryx splendens) und viele andere Insekten tummeln sich nun wieder am Bachufer und auch die Landwirte, welche die angrenzenden Felder und Äcker bewirtschaften sind begeistert. Eine vielfältige Landschaft mit frei fliessenden Wasserläufen, Insekten und einheimischen Pflanzen nützt auch uns Menschen!    

Mehr Informationen zum Renaturierungsprojekt des Mülibachs

Pro Natura Schutzgebiete - Sicherheitsnetz und Zufluchtsort für Insekten

Die Langhornbiene aus Chilpen

Pro Natura betreut über 700 Schutzgebiete in der ganzen Schweiz. Diese Schutzgebiete sind auch für Insekten wichtige Lebensräume. Je nach Art fliegen sie über bunte Magerwiesen, krabbeln über feuchte Waldböden oder tummeln sich an Bachläufen. Wiesen mit vielen einheimischen Pflanzen sind der bevorzugte Lebensraum der Langhornbiene. In bunten Magerwiesen mit vielen verschiedenen Blumen finden sie und andere Wildbienen einen reich gedeckten Tisch.

Pro Natura Schutzgebiet Chilpen © Matthias Sorg © Matthias Sorg
Wiesen mit vielen einheimischen Pflanzen sind der bevorzugte Lebensraum der Langhornbiene.

Das Pro Natura Schutzgebiet Chilpen ist eines von vielen, die ein so breites Nahrungsangebot bieten. Solch reich gedeckter Tisch! Wenn im Mai die Wildpflanzen blühen, finden Wildbienen reichlich Nahrung. 

Besonders ist die Verbindung zwischen der Langhornbiene und einer Orchideenart, der Hummel-Ragwurz. Deren Blüten ahmen Form und Duft eines Langhornbienen-Weibchens nach und locken so die Langhornbienen-Männchen an. Sobald das Männchen zur vermeintlichen Begattung auf einer Blüte landet, drückt die Orchidee dem Bienenmännchen Pollen auf den Kopf. Auf der nächsten Orchidee, die das Wildbienen-Männchen besucht, streift es die Pollen auf deren Narbe und hat damit ungewollt als «Pollentaxi» zur Bestäubung beigetragen.

Dies ist nur eines von vielen Beispielen, weshalb jede Insektenart wichtig und schützenswert ist. Ohne sie gerät das Gleichgewicht der Natur aus der Balance und Arten können unwiederbringlich aussterben.

Durch die Zersiedelung und intensive Landwirtschaft wurden in den letzten Jahrzenten viele Lebensräume zerstört. Pro Natura hat mit über 700 Naturschutzgebieten ein dichtes Netz von Lebensräumen mit einer Gesamtfläche von rund 250 km2 für Insekten gesponnen. Helfen auch Sie uns dabei, Lebensräume für Insekten zu schützen!

Mit Reben Schmetterlinge «pflanzen»

Der Blasenstrauch-Bläuling aus den Rebbergen von Brentjong/Leuk

Bis vor Kurzem war der Blasenstrauch-Bläuling aus den Rebbergen von Brentjong/Leuk verschwunden. Zu sehr hatten ihm die Pestizide zu schaffen gemacht, die hier beim Obst- und Gemüsebau eingesetzt wurden. Der Schmetterling, der in der Schweiz vom Aussterben bedroht ist, braucht zum Leben Wiesen, in denen auch Gebüsche stehen – vor allem der Blasenstrauch, auf dem der Bläuling seine Eier ablegt.

Dass Obst und Gemüse auch ohne Pestizide und ohne künstliche Dünger wachsen, wissen wir. Doch es braucht ein Umdenken in der modernen Landwirtschaft, um sie wieder naturverträglich zu gestalten. Nur so können wir unsere Insekten schützen.

Freiwillige schneiden die Reben zurück © Marjorie Berthouzoz © Marjorie Berthouzoz
Freiwillige schneiden die Reben zurück.

Pro Natura unterstützt Menschen, die eine naturverträgliche Landwirtschaft betreiben

Zum Beispiel Frédéric Sanchez, der die Rebberge in der Region von Brentjong/Leuk im Einklang mit der Natur bewirtschaftet. In diesen Rebbergen werden keine Pestizide mehr eingesetzt und Blumen, Gräser und Sträucher dürfen in und um die Reben wieder wachsen. Das Resultat ist ein hervorragender Wein und die Rückkehr des Blasenstrauch, der es dem Schmetterling ermöglicht, sich in diesen an Biodiversität reichen Weinbergen anzusiedeln.

Dieses Projekt zeigt, dass mit wenigen Massnahmen das Insektensterben gestoppt werden kann. Und die Landwirte profitieren davon – sind es doch die Schmetterlinge, die gemeinsam mit anderen Insekten ihr Gemüse und ihre Pflanzen bestäuben und damit dafür sorgen, dass unsere Nahrung wachsen kann. 

Mehr Informationen zum Rebberg-Projekt.

Pro Natura fördert auch andere Projekte, welche Insekten und die Biodiversität schützen. So grasen z.B. Wasserbüffel auf Weiden in Naturschutzgebieten: Dank der Beweidung entstehen wertvolle Lebensräume für die Insekten, da Büsche und Gräser nicht komplett verschwinden und so einen Rückzugsort bilden.

Mehr Informationen zum Beweidungs-Projekt von Pro Natura Aargau.

Das Insektensterben in Zahlen

Innerhalb der kurzen Zeit von nur drei Jahrzenten hat der Mensch in verschiedenen Gebieten die Insektenpopulationen um bis zu 75% dezimiert. In der Schweiz gelten 163 Insektenarten als ausgestorben! Der massive Rückgang der Insekten hat, je nach Art und Lebensraum, verschiedene Ursachen.

Hauptgründe für das Insektensterben sind die intensive Landwirtschaft, der massive Einsatz von Pestiziden sowie die Zerstörung der Lebensräume. Die Lichtverschmutzung und der Klimawandel sind weitere wichtige Gründe.

Insekten übernehmen wichtige Aufgaben in ihren Ökosystemen

Insekten bestäuben Blüten fast aller Wild- und Kulturpflanzen. Erdbeeren, Raps oder Kaffee: rund ein Drittel der weltweiten Nahrungsmittelproduktion ist abhängig von Insekten. Ohne Insekten können sich viele Wild- und Nutzpflanzen nicht weiterverbreiten oder Früchte produzieren. Herrscht Mangel an den bestäubenden Insekten, fallen die Ernten geringer aus. Dabei spielen Wildbienen eine weitaus größere Rolle als bislang angenommen. Die Bestäubung durch «domestizierte» Honigbienen reicht bei weitem nicht aus, um die landwirtschaftlichen Erträge zu sichern. 

Insekten sind primäre Futterquellen für viele andere Tiere und somit ein wichtiger Teil im Nahrungsnetz

Verschwinden Insekten, haben Vögel, Fische, Fledermäuse, Igel und andere Insektenfresser keine Nahrung mehr und auch sie sterben aus. Dies zeigt sich zum Beispiel im massiven Rückgang der Feldlerchen in der Schweiz.

Insekten sind unerlässlich für ein funktionierendes Ökosystem

Die Sechsbeiner wandeln organisches Material wie Totholz, Kadaver und Fäkalien in wiederverwertbare Rohstoffe um. Ohne Insekten droht die Natur in ihrem eigenen «Abfall» zu ersticken.

Insekten sind wichtige Nützlinge in der Forst- und Landwirtschaft

Im Biolandbau, wo auf Pestizide weitestgehend verzichtet wird, ist die Förderung von «Nützlingen» ein elementarer Bestandteil der Produktion. Sie dämmen die Ausbreitung nicht erwünschter Insekten ein.

Alle müssen handeln – gemeinsam gegen das Insektensterben!

Auf politischer Ebene setzt sich Pro Natura für eine naturverträgliche Landwirtschaft ein und verlangt eine Reduktion des massiven und unnötigen Einsatzes von Pestiziden und künstlichen Düngemitteln. Pro Natura fördert und schützt Insektenarten und deren Lebensräume aktiv mit eigenen innovativen Projekten und Aktionen. Mit unseren beiden Volksinitiativen setzen wir uns für einen effektiven Schutz der Lebensräume der Insekten ein.

Mehr Informationen zur Biodiversitätsinitiative und zur Landschaftsinitiative

Ihr Beitrag

Konsumentinnen und Konsumenten tragen durch den Kauf von biologisch angebauten Nahrungsmitteln massgeblich zum Schutz der Insekten bei. Haben Sie einen eigenen Garten, ist es sehr wichtig, keine Chemie im Garten einzusetzen, insektenfreundliche Blumen und Sträucher zu pflanzen und heimische Pflanzen mit Blüten oder Pflanzen mit Nutzen für Insekten zu kaufen. Exotische Pflanzen bieten den Insekten keine Nahrung und keinen Lebensraum. 

Gemeindebehörden

Künstliches Licht in der Nacht ist eine grosse Gefahr für Insekten. Mit einer selektiven und intelligenten Beleuchtung können Gemeinden viel zum Schutz der Insekten beitragen. Innovative Gemeinden wie Fläsch (GR) oder das Val de Ruz (NE) machen es vor: Der Schutz der Insekten geht Hand in Hand mit einer Reduktion der Energiekosten für die Beleuchtung. Gemeinden können zusätzlich auf den Gebrauch von Pestiziden bei der Grünflächenpflege verzichten.

Landwirtschaft

Landwirtinnen und Landwirte, die nach biologischen Grundsätzen arbeiten, wissen, dass Insekten in der Landwirtschaft unersetzlich sind: Wildbienen bestäuben Kirschen und Florfliegenlarven fressen Blattläuse und tragen so zur Sicherung der Produktion bei. In der konventionellen Landwirtschaft braucht es ein Umdenken: mehr Biodiversitätsausgleichsflächen, mehr Buntbrachen und weniger Pestizide. Dies schont nicht nur die Natur, sondern auch das Portemonnaie der Bäuerinnen und Bauern. Auch am Markt bewährt sich nämlich die biologische Landwirtschaft: Der Absatz von biologisch produzierten Lebensmitteln steigt seit Jahren stetig.

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