Medien
Bei Fragen zu Pro Natura, unseren Naturschutzprojekten oder unseren politischen Stellungnahmen wenden Sie sich bitte direkt an die Medienverantwortlichen (siehe unten). Gerne stellen wir Ihnen Pressebilder zu unseren wichtigsten Themen zur Verfügung. Immer auf dem neuesten Stand sind Sie, wenn Sie unseren Medienservice abonnieren und uns auf Bluesky folgen.
Medienmitteilungen
Steini Spielecke: Spiele, Experimente und Bastelanleitungen
Mit dem Steini holst du die Natur ins Wohnzimmer und machst die ganze Welt zu deinem Forscherlabor. Bastelanleitungen, Spiele, Ausmalblätter und Experimente warten darauf, deine Neugier zu wecken – und dich raus vor die Tür zu locken. Weil Natur am meisten Spass macht, wenn man sie selbst entdeckt.
Das Steini wird an alle Familien- und Jugendmitglieder von Pro Natura verschickt. Bist du noch nicht Mitglied? Klicke hier, und schon bald wirst du das Steini in deinem Briefkasten finden. Möchtest du ein Thema vertiefen? Das Steini gibt es auch als Einzelexemplar in unserem Shop. Die entsprechenden Links findest du unten.
Los geht's – schau dir die Aktivitäten an!
Spiele
Leiterlispiel Igel
Der Weg ist voller Hindernisse - bringst du deinen Igel sicher und als Erste oder Erster ans Ziel? Willst du mehr über den Igel erfahren? Das Steini gibt's als Einzelexemplar in unserem Shop!
Jedem sein Häufchen - Memory
Auf Tierspuren-Suche! Welches Häufchen gehört zu welchem Tier?
Klimawandel
Finde heraus, was gut und was schlecht ist für unser Klima mit diesem Leiterlispiel! Willst du mehr über das Klima erfahren? Das Steini gibt's als Einzelexemplar in unserem Shop!
Experimente
Mission Igel
Ermittle rund um dein Haus oder deine Schule, welche Orte für Igel einladend und welche gefährlich sind. Willst du mehr über den Igel erfahren? Das Steini gibt's als Einzelexemplar in unserem Shop!
Beurteile die Wasserqualität
Ist der Fluss in deiner Umgebung verschmutzt? Finde es heraus mit einem ganz einfachen Experiment! Willst du mehr über die Flüsse in der Schweiz erfahren? Das Steini gibt's als Einzelexemplar in unserem Shop!
Bastelanleitungen
Ein fressender Biber
Der Biber hat Hunger! Was gibst du ihm zu essen?
Willst du mehr über den Biber erfahren? Das Steini gibt's als Einzelexemplar in unserem Shop!
Grünspecht
Wer klopft denn da? Bastle deinen eigenen Grünspecht! Willst du mehr über den Grünspecht erfahren? Das Steini gibt's als Einzelexemplar in unserem Shop!
Goldschakal
Wie schnell ist dein Goldschakal? Willst du mehr über den Goldschakal erfahren? Das Steini gibt's als Einzelexemplar in unserem Shop!
Malen
Fuchs
Wie sieht die Umgebung des Fuchses aus, wenn du es ausgemalt hast?
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Wildbienen sind als Bestäuber ein wichtiges ökologisches Glied in der Natur. Diese Wahl soll auf die Millionen, für Laien oft «unsichtbaren», Insekten aufmerksam machen, die unsere Lebensgrundlage – die Biodiversität – aufrecht erhalten. Die Langhornbiene ist ein kleiner Baustein eines grossen Ganzen.
Mit ihren langen Fühlern und dem pelzigen Rücken fällt die Langhornbiene unter den Wildbienen (Hymenoptera: Apidae) sofort auf. Wie die meisten Wildbienenarten lebt die Langhornbiene einzelgängerisch – im Gegensatz zu ihrer besser bekannten Verwandten, der staatenbildenden Honigbiene. Für den Nestbau sucht sich die Langhornbiene als Bodennisterin Flächen mit offenem, sandigem oder lehmigem Untergrund. Bei der Nahrungssuche hat sich die Langhornbiene auf Schmetterlingsblütler spezialisiert. Daher sucht man sie am besten auf Trockenwiesen, Hochstamm-Obstgärten und in Lehmgruben. Ihre Flugzeit ist ungefähr von Mai bis Ende Juli.
Die Orchidee ist auf die Langhornbiene angewiesen
Mit einer unwiderstehlichen Strategie hat die Hummel-Ragwurz (Ophrys holosericea) die Langhornbiene für die überlebenswichtige Bestäubung gewonnen: Die Blüten der Hummel-Ragwurz ahmen Form und Duft eines Langhornbienen-Weibchens nach und locken so die Langhornbienen-Männchen an. Sobald das Männchen zur vermeintlichen Begattung auf einer Blüte landet, drückt die Orchidee dem Bienenmännchen Pollen auf den Kopf. Auf der nächsten Orchidee, die das Wildbienen-Männchen besucht, streift es die Pollen auf die Narbe der Hummel-Ragwurz und hat damit ungewollt als «Pollentaxi» zur Bestäubung beigetragen. Aufgrund dieses «Tricks», wird die Orchidee zu den Sexualtäuschblumen gezählt. Ohne Langhornbiene wäre das Überleben der Hummel-Ragwurz nicht möglich – jede Art zählt.
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Nicolas J. Vereecken
- Duft und Form der Hummel-Ragwurz locken die Langhornbiene an
Die Vielfalt neben der Honigbiene
Die Honigbiene und ihre Erzeugnisse sind bekannt und beliebt. Als Biene Maja hat sie in einer literarischen (1912) und filmischen (ab 1976) Form den Weg in viele Kinderherzen gefunden. Dass es neben der Honigbiene in der Schweiz ungefähr 580 und weltweit rund 30'000 Wildbienenarten gibt, ist aber nur wenigen bekannt. Im Unterschied zur Honigbiene leben die meisten Wildbienen nicht in einem Staat, sondern unauffällig als Einsiedler. Als Bestäuber von Wild- und Nutzpflanzen übernehmen die Wildbienen eine zentrale, ökologische Rolle. Blütennektar ist ihre vorwiegende Nahrungsquelle. Die Brut versorgen sie mit Pollen und Nektar. Nistplätze suchen sie sich je nach Art an den unterschiedlichsten Orten. Wildbienen nisten in sandigem oder lehmigem Böden, in Schneckenhäusern, bohren Löcher in Totholz, bauen Nester in Pflanzenstängeln oder in Trockenmauern.
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Nicolas J. Vereecken
- Die Grosse Holzbiene ist eine der grössten Wildbienenarten
Ein Leben für die Brut
Das Leben des Wildbienenweibchens dreht sich um das selbst gebaute Nest, in dem es sich die meiste Zeit aufhält, die Eier abgelegt und die Brut heranwächst. Nur zur Suche nach Nahrung oder Baumaterial verlässt es den sicheren Ort. Die Wildbiene lagert Pollen und Nektar zusammen mit jeweils einem Ei in einer Brutzelle, den Grundeinheiten des Nestes, die sie zum Beispiel mit Lehm verschliesst. So reiht sich Zelle an Zelle bis das Nest gefüllt ist. In den Zellen vollzieht sich im Herbst und Winter bis in den Frühling die vollständige Metamorphose vom Ei hin zur Biene. Das fleissige Weibchen verbringt also die wenigen Wochen an Flugzeit – von Frühjahr bis Sommer – mit der Brutfürsorge für die Nachkommen.
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Nicolas J. Vereecken
- Längsschnitt durch eine Brutzelle
Wieso es immer weniger Wildbienen gibt
Zahlreiche Wildbienen (Hymenoptera: Apidae) sind in der Roten Liste der bedrohten Arten der Schweiz aufgeführt. Der Rückgang sowohl der Arten- wie auch der Individuenzahl in den letzten Jahrzehnten ist beträchtlich. Die Gründe dafür sind vielfältig. Sie liegen jedoch meist beim menschlichen Verhalten. Die Lebensräume vieler Wildbienenarten sind verschwunden oder haben sich verschlechtert. Intensive Landwirtschaft, der Einsatz von Pestiziden, der Bau von Infrastruktur wie Strassen und Gebäuden beeinträchtigen oder zerstören die Lebensräume, die Nistplätze und das Nahrungsangebot der Wildbienen. Es gibt immer weniger Grünflächen und bestehendes Offenland wird oft zu intensiv durch die Landwirtschaft genutzt. Beides zusammen bedroht den Bestand der ca. 580 Wildbienenarten der Schweiz.
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Pro Natura
- Ausgeräumte, eintönige Landschaften
Ohne Wildpflanzen keine Wildbienen – und umgekehrt!
Die Flugzeit der Wildbienen dauert nur wenige Wochen zwischen Frühling und Sommer und ist je nach Art unterschiedlich. Wildblumen, Sträucher und Obstbäume, die den Wildbienen Nahrung bieten, blühen oft nur kurze Zeit lang. Dies bedeutet: Innerhalb der wenigen Wochen, in welchen die Bienen im Sommer unterwegs sind, muss genügend Nahrung für die Bienen und ihre Nachkommen vorhanden sein. Wildbienen sind stark abhängig vom vorhandenen Nahrungsangebot. Die Futterpflanzen wiederum sind auf die Wildbienen als wichtige Bestäuber angewiesen. Dies zeigt eindrücklich die Wechselwirkungen zwischen Tieren und Pflanzen. Tier- und Pflanzenarten können nicht unabhängig voneinander überleben. Sie sind Teil der Biodiversität und aufeinander angewiesen - jede Art zählt. Auch der Mensch ist Teil der Biodiversität und von ihr abhängig. Deshalb müssen wir zur Biodiversität Sorge tragen.
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M. Sorg
- Wildbienen brauchen vielfältige Landschaften
Mut zu Unordnung und Vielfalt in unseren Gärten!
Mit einer naturnahen Gestaltung und Bewirtschaftung unserer Gärten können wir mit kleinem Aufwand Grosses für die Wildbienen bewirken. Als einfacher Grundsatz gilt: Mut zu Unordnung und Vielfältigkeit. Wichtigster Beitrag zum Wildbienenschutz ist die Erhaltung und Aufwertung möglicher Lebensräume.
Helfen können Sie mit:
- reich strukturierten Gärten mit einheimischen Pflanzen verschiedener Wuchsformen und Blühzeiten.
- artenreichen Wiesen, deren Fläche nicht auf einmal gemäht wird. Indem immer nur Teile der Wiese gemäht werden, bleibt der Lebensraum über eine längere Zeit erhalten.
- offenen Bereichen mit sandigen oder lehmigen Böden.
- Totholz- und Kieshaufen, Natursteinmauern, Schneckenhäusern und Pflanzenstängeln.
Mit diesen einfachen Massnahmen können wir den Wildbienen bei der Ernährung und Fortpflanzung helfen. Aber denken Sie daran, die Brut der Bienen entwickelt sich während dem Winter in den Nestern. Also lassen Sie die Pflanzenstängel und Schneckenhäuser bis im Frühjahr liegen oder stehen. Denn sonst geht eine ganze Brut verloren. Wenn Sie noch mehr für die Wildbienen machen möchten, finden Sie am Anfang dieser Seite eine Anleitung zum Bau von Wildbienenhotels. Die vollständige Publikation kann im Pro Natura Shop erworben werden.
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M. Sorg
- Naturnahe Gärten sind bei Wildbienen begehrt
Weiterführende Informationen
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Tier des Jahres 2009: Der Braunbär
«Der Bär ist zurück!» meldet der Schweizerische Nationalpark mit einer Medienmitteilung am 26. Juni 2005. Zuvor war vor fast genau 100 Jahren der letzte Schweizer Bär geschossen worden. Zwei weitere Bären sind 2007 im Münstertal und im Engadin aufgetaucht. Es ist zu erwarten, dass weitere Bären in die Schweiz einwandern und sich einen neuen Lebensraum suchen. Der Alpenbogen ist seit je Bärengebiet. Und er scheint es wieder zu werden. Der Bär gehört zu unserer Natur, zu unserer Kultur. Das zeigen zahlreiche Ortsnamen, seine Abbildung in Kantons- und Gemeindewappen. Nicht zu vergessen all die Gasthäuser landauf und landab, die in ihrem Namen dem «Bären» huldigen.
Meister Petz findet bei uns günstige Lebensräume. Die Akzeptanz in der Bevölkerung und der politische Wille sind die grössten Hürden, die der Braunbär bei seinem Weg in die Schweiz überwinden muss. Die Schweiz steht in der Verantwortung, wenn Braunbären immer wieder auf natürlichem Wege einwandern. Denn: Braunbären sind nach wie vor gefährdet und deswegen europaweit geschützt.
Pro Natura und der Bär - gemeinsame 100-Jahre
Hundert Jahre sind es her, seit Basler Wissenschafter zur Gründung eines Schweizer Nationalparks den Schweizerischen Bund für Naturschutz – heute Pro Natura – gegründet hatten. Unmittelbarer Zweck von Pro Natura war es, die Finanzierung des künftigen Nationalparks zu organisieren.
2005 waren ebenfalls fast genau 100 Jahre vergangen, seit der letzte Bär in der Schweiz geschossen wurde. Zwei Jäger erlegten ihn 1904 im Engadin. Fotografen und die Dorfbevölkerung waren zu Stelle, um den Triumph über die wilde Welt festzuhalten. 100 Jahre lang galt der Bär in der Schweiz danach als ausgerottet. Bis JJ2 – vom «Blick» liebevoll in «Lumpaz» umgetauft – 2005 wieder durch Bündner Wälder streifte. Nicht zufällig tappte der erste Bär nach fast 100 Jahren in den von Pro Natura gegründeten Schweizerischen Nationalpark. Er bietet offenbar Wildnis, die dem Bären behagt. Und somit schliessen sich die Geschichts-Kreise von Pro Natura und des Bären wieder. Heute setzt sich Pro Natura politisch und mit Aufklärungsarbeit für eine konfliktarme Rückkehr des Bären in die Schweiz ein. Damit die Geschichte des Bären in der Schweiz und Europa weitergeht.
Yes, we can - mit dem Bären leben
Der Bär ist nach wie vor eine gefährdete Art und deswegen europaweit geschützt. Für die natürliche Verbreitung des Bären in Europa trägt die Schweiz eine besondere Verantwortung. Der Alpenbogen ist eines der wichtigsten Bärengebiete Europas, und die Schweiz mitten drin. Bären gehörten Jahrhunderte lang zur hiesigen Kultur. Zahlreiche Flur- und Ortsnamen sowie -Wappen zeugen von der langen Kulturgeschichte des Bären in der Schweiz. Ganz zu schweigen von den hunderten Gasthäusern quer durch die Schweiz, die den «Bären» stolz als Namen tragen. Nur die Gesellschaft hat in den rund 100 «bärlosen» Jahren verlernt, mit wilden Tieren ihr Territorium zu teilen. Pro Natura macht mit der Wahl des Bären die Menschen auf die Bedürfnisse und das richtige Verhalten gegenüber wilden Tieren aufmerksam, allen voran den Bären. Und zielt auf mehr Sicherheit für die Menschen und breitere Akzeptanz des Bären durch besseres Wissen.
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- Mitgliederwerbung mit dem Bären im Jahre 1908
Wer ist Meister Petz? - Ein Steckbrief
Die Körpergrösse von Braunbären (Ursus arctos) liegt zwischen 170 und 220 Zentimetern. Je nach Verbreitungsgebiet variiert das Gewicht beträchtlich. Die Männchen (120 bis 350 kg) sind deutlich schwerer als die Weibchen (75 bis 160 kg).
Der europäische Braunbär hat ein hellbraunes, zottiges Fell, die Jungtiere bilden einen hellen Halskragen aus. Neben den mächtigen Eckzähnen weisst das Bärengebiss ziemlich flache und breite Backenzähne auf. Pflanzliche Nahrung wird mit diesen «Mahlzähnen» verwertet. Die Sinnesorgane des Braunbären sind hochentwickelt, besonders Nase und Ohren. Die Neugierde des Braunbären ist ausgeprägt, ebenso seine Lernfähigkeit. Erlerntes spielt für sein Verhalten eine grosse Rolle. Da jedes Tier durch seine individuellen Erfahrungen geprägt ist, können sich die Verhaltensweisen stark unterscheiden.
Verbreitung früher und heute
...früher
Braunbären besiedelten einst die gesamte Nordhalbkugel von der arktischen Tundra bis zu den Subtropen.
Ihre hohe Anpassungsfähigkeit erlaubte ihnen, sehr unterschiedliche Lebensräume zu nutzen: Wälder aller Art, Steppen, Gebirgsland-schaften, die arktische Tundra. Die Landschaftszersiedelung, die Entwaldung Europas, aber in erster Linie die direkte Verfolgung haben den Braunbären in weiten Teilen seines einstigen Verbreitungsgebiets zum Verschwinden gebracht. Kurz nach der Ausrottung der Art in der Schweiz begann die Diskussion über die Wünschbarkeit seiner Rückkehr. Der Unterengadiner Steivan Brunies, Mitbegründer des Naturschutzbundes (SBN) heute Pro Natura, äusserte 1936 die Hoffnung auf eine natürliche Wiederbesiedlung des Nationalparkgebiets vom Südtirol her, kämpften doch damals italienische Naturschützer energisch für einen Schutz des Bären sowie die Errichtung eines grossflächigen Reservats. Siebzig Jahre später haben sich die Braunbären in der Schweiz selber wieder zum Thema gemacht. 2005 wanderte der erste Braunbär seit Jahrzehnten von Süden her wieder in die Schweiz ein.
...und heute
Die heutigen Bärenpopulationen in Europa sind an bewaldete, vom Menschen eher dünn besiedelte und meist gebirgige Gebiete gebunden. Bestimmt wird ihr Lebensraum durch die vorhandenen Nahrungsressourcen. In Europa kennen wir Streifgebiete zwischen 50 und 5000km2. Nach den Erfahrungen in anderen dicht besiedelten und intensiv genutzten Landschaften Europas bietet auch die Schweiz geeignete Lebensräume für Bären. Die höchste Dichte an Bären in Europa befinden sich in den rumänischen Karpaten. Verbreitet ist Meister Petz auch in den Alpen (Slowenien, Italien) und in den Pyrenäen. Im Norden und Osten Europas kommen ebenfalls eine stattliche Anzahl wildlebender Bären vor (Schweden, Finnland, Norwegen, Russland).
Nicht nur in Europa, sondern auch in Nordamerika sind Braunbären verbreitet. Dort in den Unterarten Kodiakbär (Kodiakinsel und benachbarte Inseln vor der Südküste Alaskas) und Grizzlybär (westliches und mittleres Nordamerika).
Was frisst der Bär?
Die grösste europäische Landraubtierart ernährt sich in erster Linie vegetarisch. Energetisch ist ein Braunbär nie im Gleichgewicht. Entweder nimmt er rasch zu oder er magert langsam ab.
Gross ist der Hunger vor allem im Spätsommer und Herbst. Jetzt muss sich Meister Petz den Winterspeck anfressen. Erwachsene Bären müssen dazu täglich bis zu 20'000 kcal aufnehmen. Diese Energiemenge entspricht ca. 30 kg Äpfel.
Die Ernährung besteht zu dieser Zeit aus Baumfrüchten wie Eicheln, Bucheckern, in den südlichen Wäldern auch Kastanien und Beeren. Mit einem Fettvorrat, der etwa einem Drittel des Körpergewichts entspricht, verzieht sich der Bär in seine Winterhöhle.Verlässt er diese im Frühling verspürt er vorerst noch kaum Hunger. Gefressen werden zu dieser Zeit Wurzeln, Gräser und Kräuter wie Bärlauch. Willkommen ist jetzt auch das Aas von Wildtieren wie Gämsen, die Opfer des Winters geworden sind. Tierische Proteine werden zusätzlich auch in Form von Bienen, Wespen oder Ameisen aufgenommen.
Verhalten und Fortpflanzung
Bärenmännchen streifen als Einzelgänger durch die Wälder. Dabei verteidigen sie kein Revier, meiden aber andere Bären. Nur zur Paarungszeit im Sommer suchen sie den Kontakt zu einem Weibchen. Schon nach wenigen gemeinsamen Tagen und der Paarung gehen die beiden wieder getrennte Wege. Nach der Befruchtung beginnt die Entwicklung der Embryonen aber erst mit der Winterruhe der Bärin. Die Tragzeit dauert dann noch sechs bis acht Wochen. In der Überwinterungshöhle gebären die Bärenmütter zwei bis drei winzige Junge die nur 300 bis 400 Gramm wiegen. Schnell wachsen diese heran, verlassen im zeitigen Frühjahr die Wurfhöhle und bleiben für eineinhalb bis dreieinhalb Jahre bei ihren Müttern. Von diesen lernen sie günstige Nahrungsplätze und energiereiche Futtersorten kennen. Von der Mutter abgelöst bleiben Jungbären meist noch einen Sommer lang zusammen und suchen sich dann eigene Lebensräume.
Dabei versuchen junge Weibchen, in der Nähe der Mutter zu bleiben, während junge Männchen oftmals sehr weit wandern müssen, bis sie ein freies Gebiet finden. Tiere, welche die kritische Jugendzeit überlebt haben, können bis zu 25 Jahre alt werden.
Winterruhe
Als Winterlager suchen sich Bären enge Höhlen, in denen sie sich aus allerlei Pflanzenmaterial Ruhematten bereiten. In der Winterruhe nehmen Braunbären monatelang keine Nahrung auf, trinken nichts. Um zu überleben, bauen sie ihre Fettreserven ab. Bärenmütter versorgen in dieser Zeit ihre Jungen mit ihrer Milch. Während der Winterruhe sinken Körpertemperatur, Atmungs- und Herzschlagfrequenz. Weder Kot noch Urin werden ausgeschieden. Doch bei Störungen wachen die Tiere sofort auf und verlassen allenfalls sogar den Einstand. Bei mildem Wetter können Bären ihr Lager kurzfristig verlassen, so dass man auch im tiefsten Winter gelegentlich ihre Spuren im Schnee findet.
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Prisma / Berndt Fischer
- Bärin mit Jungbäre
Bär und Mensch - das Zusammenleben ist möglich
Ein gutes Beispiel für das konfliktarme Nebeneinander von Bär und Zivilisation liegt nur wenige Kilometer entfernt von der Schweizer Grenze. Im italienischen Naturpark Adamello Brenta im Trentino fanden nach jahrelangen Vorbereitungen Bären aus Slowenien eine neue Heimat. Zehn Bären wurden dort um die Jahrtausendwende freigelassen. Die Alpenbären hätten ohne diese Blutauffrischung keine Zukunft gehabt. Denn weil es rundum keine anderen Populationen mehr gab, mit denen sie Austausch pflegen konnten, wurde ihre Genbasis zu schmal. Sie hatten keinen Nachwuchs mehr. Dank der neu angesiedelten Bären soll sich wieder ein lebensfähiger Bestand bilden. Die Bevölkerung im Trentino äusserte sich in einer Umfrage positiv zu dieser Förderungspolitik. Das lag einerseits an den Bären selbst, die mit ihrer zurückgezogenen Art nie Probleme bereitet hatten, andererseits an der intensiven Informationsarbeit der Projektverantwortlichen. Sie hatten unter anderen auch Jäger und Bauern, die zu den Kritikern gehörten, ins Projekt miteinbezogen. Die Erfahrungen unserer Nachbarländer Italien und Österreich zeigen, dass eine Koexistenz von Bär und Mensch weitgehend problemlos funktionieren kann. «Ursus arctos» ist dort sogar ein veritabler Tourismusfaktor.
Wichtig beim Zusammenleben von Bär und Mensch ist das richtige Verhalten Bären gegenüber. Dies nicht nur im sehr seltenen Fall einer Begegnung in der Wildnis. Ebenso wichtig ist die Erziehungsfunktion der Gesellschaft gegenüber den Bären. Bärensichere Abfallbehälter, keine Anfütterung und keine tollkühnen Annäherungsversuche sind zentrale Elemente für ein sicheres und konkliktarmes Nebeneinander von Mensch und Bär. Einzelne Bären, so wie «Lumpaz» oder JJ3, zeigen wenig Scheu vor der Zivilisation. Diese Scheu muss man den Bären wieder beibringen indem sie lernen, dass sie in Siedlungen nichts zu Futtern finden und nicht willkommen sind. Die meisten Bären leben jedoch scheu und zurückgezogen fernab von Siedlungen in ihren Wäldern.
Seltene Begegnungen zwischen Bär und Mensch
Abgelegene unwegsame Waldflächen sind für den Bären ideal. Gänzlich menschenleer muss ihr Streifgebiet jedoch nicht sein. Die Chance, dem Braunbären zu begegnen, ist in Verbreitungsgebieten sehr gering. Höchstens verraten die charakteristischen Spuren dessen Anwesenheit. Mit ihrem hervorragenden Geruchssinn und dem feinen Gehör bemerken sie Menschen in der Regel schon von weitem und ziehen sich zurück. Kreuzen sich die Wege von Petz und Mensch dennoch, sind Ruhe und Respekt angesagt. Sobald der Bär den Menschen wahrnimmt und realisiert, dass keine Bedrohung besteht, tritt er ruhig zum Rückzug an. Ihm hat sich tief eingeprägt, dass der Zweibeiner seine Vorfahren über Jahrtausende verfolgt und gejagt hat. Deshalb wahrt er eine sichere Distanz zu den Menschen.
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Sobli / Thomas Buchwalder
- Eingewanderter Bär im Münstertal/GR
Bärenschäden und ihre Verhütung
Bären sind vorwiegend Vegetarier, dennoch können sie Schäden an Haustieren, Kulturen und Futtermitteln anrichten. Bären lieben Süsses. Deshalb sind Bienenhäuser und -kästen für sie ein «gefundenes Fressen», im wahrsten Sinn des Wortes. Diese lassen sich jedoch mit Elektrozäunen erfolgreich sichern. Auch Schafe, seltener Ziegen, Rinder und Pferde können Opfer von Bären werden. Werden Haustiere gehütet, nachts in den Stall gebracht oder mit Elektrozäunen gesichert, kann der Schaden jedoch stark begrenzt werden. In Europa entfallen auf einen Bären weniger als fünf tote Schafe pro Jahr. Bärenschaden an Kulturen ist im Vergleich zu Schäden durch Hirsche, Rehe, Gämsen oder Wildschweine vernachlässigbar. Schäden, die trotz aller Schutzmassnahmen entstehen, werden vom Bund und den Kantonen abgegolten.
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Jean-Marc Weber
- Alp Giétroz
Gefährdet und geschützt - Gesetzlicher Schutz und Management
Der Braunbär ist in der Schweiz aufgrund der Berner Konvention (1980) und der Eidg. Jagdgesetzgebung (1986) geschützt. Der Umgang mit einwandernden Bären wurde 2006 vom Bundesamt für Umwelt - BAFU im "Konzept Bär Schweiz" festgelegt. Das Konzept Bär basiert auf der Überzeugung, dass Bären und Menschen auch in der Schweiz nebeneinander existieren können. Es will die Voraussetzungen schaffen für ein möglichst konfliktarmes Zusammenleben, Schadenverhütung und -vergütung regeln sowie den Umgang mit Bären definieren, die für Menschen gefährlich werden. In einigen Ländern Europas wurden Managementkonzepte für die ansässigen Populationen entwickelt, welche den Schutz der Art und eine möglichst konfliktfreie Koexistenz mit den Menschen gewährleisten sollen. Auf europäischer Ebene besteht ein «Action Plan» des Europarates, der dieselben Ziele verfolgt. Dank diesen Bemühungen erlebten verschiedene Braunbärenpopulationen in Europa in den letzten Jahrzehnten einen Aufschwung.
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Imagepoint
- Der Braunbär ist in der Schweiz geschützt
Weiterführende Informationen
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Tier des Jahres 2008: Die Gebänderte Prachtlibelle
Natürliche Flusslandschaften bieten der gebänderten Prachtlibelle genau das, was sie zum Überleben braucht. Weil solche Flusslandschaften in der Schweiz zur Mangelware werden, hat Pro Natura das prächtige Fluginsekt zum Tier des Jahres 2008 auserkoren.
Steckbrief
Gestalt und Grösse: Knapp 5 cm lang, zwei gleiche Flügelpaare mit Spannweite 6 bis 7 cm, sehr schlanker Leib, sechs lange dunkle Beine
Körperfarbe: Männchen schillernd blau-grün, Weibchen schillernd grün bis broncefarben
Flügelfarbe: Männchen grünlich getönt mit breitem dunkelblauem Band, Weibchen grünlich getönt mit weissem Flügelmal
Flugzeit: Ende Mai bis September
Vorkommen: An besonnten, langsam fliessenden Stellen von Bächen und Flüssen
Larve: Bis über 3 cm lang, schlank, mittleres Kiemenblättchen am Hinterleibsende kürzer als die zwei äusseren, erstes Fühlerglied auffallend kräftig, lebt in Wasserpflanzen und flutenden Wurzeln im Fliesswasser
Aus dem Wasser in die Luft
Die Gebänderte Prachtlibelle (Calopteryx splendens) lebt an langsam fliessenden, besonnten Bächen und Flüssen. Sie ist in Europa weit verbreitet, wobei unterschieden wird zwischen einer nördlichen und südlichen Unterart. In der Schweiz besiedelt die nördliche Unterart das Flachland und die Täler bis 1100 m. ü. M auf der Alpennordseite und im Wallis, die südliche die Magadinoebene im Tessin.
An etlichen Fluss- oder Bachstrecken ist gleichzeitig eine weitere Prachtlibellen-Art anzutreffen: die Blauflügel-Prachtlibelle (Calopteryx virgo). Diese bevorzugt tendenziell schneller fliessende, kühlere und nährstoffärmere Gewässer, die auch stärker von Gehölz beschattet sein dürfen.
Im verletzlichen Stadium
Wenn im Mai die Nächte wärmer werden, kriechen die ersten Larven der Gebänderten Prachtlibelle aus dem Wasser. In der Deckung von Uferpflanzen beginnt, meist frühmorgens, die dramatische Geburt ihrer geflügelten Schönheit. Wenn sich die Libelle aus der Hülle befreit hat, muss sie zuerst ihre verschrumpelten Flügelpäckchen entfalten. Dazu pumpt sie Körperflüssigkeit in die Flügeladern. Auf dieselbe Weise streckt sie danach auch den Hinterleib. Wenn Flügel und Körper ausgehärtet sind, schwingt sich das frisch geschlüpfte Wesen in die Luft. Der Wechsel vom Wasser- zum Luftleben ist geglückt.
Doch längst nicht allen Libellen gelingt dieser Start. Denn in der bis dreistündigen Wandlungsphase sind sie sehr verletzlich. Solange die Flügel nicht ausgehärtet sind, kann schon ein Windstoss die zarten Geschöpfe fluguntüchtig machen, falls ihnen zum Beispiel ein Zweig zu nahe kommt. Oder eine Welle kann ein Individuum mitreissen, das zu nah am Wasserspiegel geschlüpft ist. Auch Vögel picken sich die nahrhaften Insekten, solange diese wehrlos am Schlüpfplatz hängen.
Luftakrobatin auf Beutezug
Kaum geschlüpft müssen die Libellen Nahrung suchen. Denn Männchen und Weibchen benötigen viel Energie, um ihre Geschlechstanlagen voll entwickeln zu können. Bei der Gebänderten Prachtlibelle dauert dieser Lebensabschnitt etwa eine Woche.
Die Libellen suchen auch abseits vom Wasser nach insektenreichen Lebensräumen. Neben Feuchtgebieten gehören vor allem vielfältige Wiesen und Wegränder, Heckensäume und Waldränder zu den vielversprechenden Jagdgründen, denn hier entwickeln und sammeln sich zahlreiche Insekten. Damit sich das Herumstreifen lohnt, braucht es also naturnahe Gebiete auch ausserhalb eines Bach- oder Flusslaufs. Die Gebänderte Prachtlibelle entfernt sich allerdings nicht so weit und lange vom Gewässer wie viele andere Arten.
Für die Jagd gerüstet
Für den räuberischen Nahrungserwerb ist die Libelle bestens ausgerüstet: Mit ihren beiden grossen, aus Tausenden von Facetten bestehenden Augen verfügt sie über eine fast lückenlose Rundsicht. Schnelle Bewegungen kann sie weit besser wahrnehmen als wir Menschen und vermag damit auch schnell fliegenden Insekten zu folgen. Drei kleine Punktaugen auf dem Kopf erlauben zusätzlich das Erkennen des Horizonts.
Der Kopf ist zudem sehr beweglich, was das Blickfeld noch erweitert. Die Flügel kann die Libelle unabhängig voneinander bewegen – das verleiht ihr eine grosse Wendigkeit. Die scharfen Mundwerkzeuge an Unter- und Oberkiefer ergänzen sich beim Halten und Zerkleinern der Beute.
Gute Sicht und Beweglichkeit benötigt die Libelle nicht nur zum Jagen. Diese Fähigkeiten helfen ihr auch, nicht selbst zur leichten Beute zu werden. Wie sehr Libellen die kleinste Bewegung wahrnehmen, merken Menschen, die sich ihnen zum Beobachten oder Fotografieren nähern. Manchmal werden sie dennoch erwischt. Beispielsweise versuchen Vögel, Fische und Wasserfrösche, sie zu haschen. Kleinlibellen müssen sich auch vor grösseren Schwestern sowie vor Spinnen und ihren Netzen in Acht nehmen.
Von der Sonne abhängig
Sinkt abends die Lufttemperatur, kühlt der Libellenkörper ab und verliert seine Beweglichkeit. Dann ist die Luftakrobatin gezwungen, an einem Ruheplatz auszuharren, bis die Sonne ihre Lebensgeister wieder weckt. Prachtlibellen suchen dazu dichte Vegetation auf. Dieser Rückzugsort kann im grösseren Umkreis eines Gewässers im Jagdrevier liegen oder direkt am Wasser. Teilweise finden sich Prachtlibellen in grosser Zahl an Schlafplätzen ein, die ihnen gute Deckung bieten. Zum Beispiel behagen ihnen ungemähte Uferböschungen, Röhricht und Brombeergestrüpp.
Bleibt das Wetter über längere Zeit kühl und regnerisch, wird es für die wechselwarmen Tiere kritisch. Dann heizt sich der Körper ungenügend auf, und aus dem Beutefang wird nichts. Ohne neue Energie zu tanken, überleben Libellen höchstens eine Woche. In solchen Zeiten sind sie auch eine leichte Beute für hungrige Vögel. Zwar kann man Gebänderte Prachtlibellen von Mai bis September beobachten, aber die meisten Individuen leben als Flugtiere nur einige Tage, im besten Fall wenige Wochen.
Kämpfen für ein Revier
Männchen und Weibchen der Gebänderten Prachtlibelle suchen, wenn sie geschlechtsreif sind, ein geeignetes Gebiet für die Fortpflanzung. Das kann der Ort sein, wo sie geschlüpft sind, oder ein Gewässer in der Nähe.
Sie lassen sich sowohl an Bächen als auch an Flüssen nieder, vorausgesetzt die Strömung ist sanft und das Wasser nicht zu kalt. Damit sich ihre Brut gut entwickelt, ist eine Temperatur von 18 bis 24 Grad erforderlich. Zudem sollten genügend Wasserpflanzen sowie Röhricht und Gebüsch am Ufer vorhanden sein. Anderseits darf die Vegetation nicht zu dicht sein, damit das Fortpflanzungsgebiet gut besonnt ist.
Naturnaher Fluss erwünscht
Ideale Gewässer für die Gebänderte Prachtlibelle stellen die natürlichen Mittel- und Unterläufe von Flüssen dar. Unsere kanalisierten Mittelland-Gewässer sind für sie nur dort besiedelbar, wo sich naturnahe Stellen entwickelt haben. Eine vielfältige Vegetation im Umkreis muss gewährleisten, dass Nahrung in Form von Insekten vorhanden ist.
Offenbar erfüllt die Aare oberhalb von Solothurn diese Ansprüche: Im geschwungenen Flusslauf ist die Strömung schwach, das Wasser kurz nach dem Bielersee-Ausfluss warm. Das fördert Wasserpflanzen, die zeitweise grosse Teppiche bilden. Sie ziehen jene Libellen an, die ihre Eier in Pflanzen legen und nicht ausschliesslich auf stehendes Wasser angewiesen sind. Neben einigen anderen Libellenarten zeigt sich hier eine grosse Population der Gebänderten Prachtlibelle.
Sag es mit den Flügeln
Prachtlibellen-Männchen beanspruchen im Fortpflanzungsgebiet ein eigenes Revier. Die kleine, mit Pflanzen ausgestattete Wasserfläche verteidigt ein Männchen vehement, sobald Rivalen einzudringen versuchen. Die Gegner fechten vorwiegend mit Flugmanövern, bei denen sie ihre gebänderten Flügel als Drohsignal einsetzen. Dabei fliegen sie frontal auf ihren Gegner zu oder pendeln seitlich hin und her, immer bestrebt, möglichst viel Farbe zu zeigen. Zu diesem Zweck müssen zeitweise zwei Flügel zum Fliegen genügen, während die beiden anderen als Flagge präsentiert werden. Wenn mit der Drohgebärde keiner siegt, kann es zum körperlichen Angriff kommen.
Das Ziel der Rammelei besteht darin, mit einem prominenten Platz am Wasser ein Weibchen zu ergattern. Um dieses günstig zu stimmen, setzt das Männchen wiederum Flügelsignale ein. Der Balztanz beruht aber auf einer völlig anderen Flugtechnik: Jetzt bewegt das Männchen seine Flügel nicht im langsamen Gleichschlag, sondern im beschleunigten Wechseltakt. Mit diesem Schwirrflug kann es vor dem Weibchen in der Luft schweben und sich annähern.
Zusätzlich wirbt das Männchen, indem es seinen Hinterleib hochhebt und ein gelblich-weisses Farbsignal am unteren Ende zeigt. Flügelschlag und Farbe der «Laterne» sind artspezifisch und helfen, Partner der eigenen Art zu erkennen. Die Blauflügel-Prachtlibelle beispielsweise winkt mit Rosa.
Bereit zur Eiablage
Nach der Landung auf den Flügeln des Weibchens krümmt sich das Männchen und ergreift die Partnerin mit den Hinterleibszangen am Nacken. Danach biegt es den schlanken Körper weiter und verfrachtet ein Paket voll Spermien vom Hinterleibsende in eine Öffnung, die nahe hinter seiner Brust liegt. Das Weibchen führt jetzt sein Hinterleibsende an diese Öffnung, um das Spermienpaket zu übernehmen.
Bei der folgenden Eiablage leistet das Weibchen Erstaunliches: Es taucht seinen Leib ins Wasser und bohrt für jedes Ei, während Sekunden, ein Loch ins Gewebe der flutenden Pflanze.
Im Wasser Gestalt annehmen
Wenige Wochen nach der Eiablage schlüpfen die Larven und suchen sich im Pflanzendschungel einen günstigen Ort, den sie gegenüber anderen Larven verteidigen. In den Polstern von Unterwasserpflanzen wie Laichkraut und Flutendem Hahnenfuss oder in Feinwurzeln von Erlen und Weiden lauern sie jetzt auf Beute. Die Larven fressen alles, was sie fangen und überwältigen können: Kleinkrebse, Mückenlarven und vieles mehr.
Weil bewegtes Wasser mehr Sauerstoff bringt, ist die Larve der Gebänderten Prachtlibelle auf ein gewisses Mass an Strömung angewiesen. Sie nimmt den Sauerstoff über die Haut und drei Kiemenblättchen am Körperende auf. Ist die Strömung zu gering oder das Wasser zu warm, spreizt das Wassertier die Kiemenblättchen und bewegt sich hin und her, um den Gasaustausch zu verstärken. Allenfalls klettert es sogar kurz an die Wasseroberfläche, um aus der Luft Sauerstoff aufzunehmen.
Zwar verträgt die Larve der Gebänderten Prachtlibelle – im Unterschied zu manchen anderen Libellen – mässig belastetes Wasser. Wird es aber allzu schmutzig und sauerstoffarm, stirbt sie. Denn aktiv einen Bereich mit besserer Wasserqualität aufsuchen, das kann sie nicht.
Häuten zum Wachsen
Im darauf folgenden oder übernächsten Sommer ist die Larve ausgewachsen. Wie schnell die Entwicklung verläuft, hängt von der Wassertemperatur und dem Nahrungsangebot ab. Da die starre Haut ein kontinuierliches Wachstum verhindert, muss sich die Larve sechs Mal häuten. Dabei wird sie nicht nur jedes Mal ein Stück grösser, sondern nähert sich auch immer stärker an die Gestalt des letzten Larvenstadiums an.
Schon nach den ersten Häutungen erscheinen Flügelansätze, die bei jedem Hautwechsel grösser werden. Damit geht sie wie alle Libellen einen anderen Entwicklungsweg als Schmetterlinge: Während diese sich im Puppenstadium zum Fluginsekt wandeln, geschieht dies bei der Libelle schrittweise im Verlauf des Larvenlebens.
Kurz bevor die Larve das Wasser verlässt, kündigt sich der bevorstehende Höhepunkt der Wandlung an: Das Wassertier hört auf zu fressen, die Flügelscheiden schwellen an, die Konturen der Libellenaugen beginnen sich abzuzeichnen. Ab und zu schiebt sich die Larve etwas an die Luft und zeigt damit an, dass die Umstellung von der Wasser- zur Luftatmung im Gang ist. Die lange Entwicklungszeit im Wasser neigt sich dem Ende zu. Der Zyklus beginnt von neuem: Eine Gebänderte Prachtlibelle startet in ihr kurzes, aber intensives Luftleben.
Weiterführende Informationen
Info
Fotorechte bei: Friedrich Böhringer https://commons.wikimedia.org
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Tier des Jahres: Archiv
Die Äsche - Tier des Jahres 2007
Das Tier des Jahres 2007 zeigt Flagge. Die Rückenflosse der Äsche ist auffallend gross und erinnert an eine Flagge, weshalb sie von den Biologen als «Fahne» bezeichnet wird. Flagge zeigt die Äsche mit ihrer Fahne auch sprichwörtlich, nämlich für befreite Flüsse. Wo das Wasser ungestört strömt und rauscht, fühlt sich der etwa 30 bis 50 Zentimeter grosse Süsswasserfisch wohl. Dass die Äsche in der Schweiz gefährdet ist, ist ein bedrohliches Zeichen für den Zustand unserer Bäche und Flüsse.
Pro Natura lässt sein Tier des Jahres 2007 nicht im Restwasser stehen. «Befreit unsere Flüsse!» hat sich die Naturschutzorganisation auf die Flagge geschrieben und verhilft Flüssen zu mehr natürlicher Dynamik. In der ganzen Schweiz, vom Münstertal im Kanton Graubünden über den «Limmatspitz» im Aargau bis nach Genf, befreit Pro Natura Flüsse aus ihrem Betonkorsett. Renaturierungsprojekte, die oft direkt der Äsche zugute kommen. Wo sich das Wasser sein Bett selber gestalten kann und wo regelmässig überflutete Auenwälder entstehen, findet auch das Tier des Jahres 2007 einen Lebensraum.
Als Anwältin der Natur setzt sich Pro Natura für mehr Restwasser in den Flüssen ein und eine verbindliche Regelung des künstlichen Flutens und Trockenlegens unserer Bäche durch den Schwall/Sunk-Betrieb. Ergänzend zum politischen Engagement steht die Förderung der ökologischen Nutzung der Wasserkraft beispielsweise über das Stromlabel «naturmade star», das für umweltverträglichen Strom steht.
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M. Roggo/roggo.ch
- Die Äsche
Der Steinbock - Tier des Jahres 2006
Hörner gewunden wie Säbel und Kletterkünste sondergleichen zeichnen das Pro Natura Tier des Jahres 2006 aus. Die imposanten Hörner des Steinbocks – in zerriebener Form bis ins 18. Jahrhundert eine begehrte Arznei – und sein schmackhaftes Fleisch waren jedoch sein Verhängnis: 1809 wurde der zwischenzeitlich letzte Schweizer Steinbock im Wallis erlegt.
Wie das Pro Natura «Wappentier» wieder in die Schweiz zurück fand, liest sich wie ein Krimi. Diese erfolgreiche Wiederansiedlung, die vor genau 100 Jahren ihren Anfang nahm, macht den Steinbock zum Tier des Jahres 2006.
Schon früh hat sich Pro Natura auf politischer Ebene für so genannte Umsiedlungen stark gemacht. Dies geschah nachdem sich die wilden Steinbock-Bestände langsam stabilisiert hatten und bereits wieder in gewissen Gebieten unter Druck des Menschen gerieten. Diese Umsiedlungen waren der eigentliche Grundstein dafür, dass heute Steinböcke nicht nur in einzelnen Gebieten im Gebirge vorkommen, sondern fast überall in den Alpen heimisch sind. Denn Steinböcke meiden natürlicherweise für sie unsichere Gegenden wie Talböden. Dieser Überlebenstrieb hindert die natürliche Ausbreitung einer Steinbock-Kolonie in benachbarte Gebiete.
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Matthias Sorg
- Steinbock am Augstmatthorn
Die Zauneidechse – Tier des Jahres 2005
Die Zauneidechse ist ein anspruchsloses, harmloses Tierchen. Ein Platz an der Sonne, ein gutes Versteck, ein ruhiges Winterdomizil: das ist alles, was es braucht. Das findet sie oft dort, wo Wald sanft in Wiese übergeht, an vergessenenen ungenutzten Ecken wie Gruben, Bahndämmen und Trockenwiesen. Doch in einem Land, wo jeder Quadratzentimeter genutzt ist, die Waldränder wie mit dem Lineal gezogen sind und der letzte Bissen Gras gemäht wird, hat die Zauneidechse als Grenzgängerin zwischen Lebensräumen keine Chancen mehr.
Zauneidechsen besiedeln ein weites Spektrum an verschiedenen Lebensräumen: Trockenwiesen, Bahndämme, Böschungen, Gruben, Hecken, naturnahe Gärten, aber auch Flachmoore, Feuchtwiesen und Waldränder. Eine Vorliebe hat sie für südwärts gerichtete Hänge. In ihrem Lebensraum braucht sie vielfältige Strukturen, die über die Vegetation herausragen, damit sie sich sonnen kann. Geeignet sind Holz-, Stein- oder Kieshaufen, Baumstrünke oder liegende Stämme.
Mit verschiedenen Massnahmen kann man die Zauneidechse fördern:
- An Strassenböschungen und Bahndämmen, zwei wichtigen Ersatzlebensräumen, soll keine Chemie eingesetzt werden. Maschinelle Eingriffe beschränken.
- Mähen im Spätsommer oder im Winterhalbjahr bei kühler Witterung oder spät im Jahr; auf nicht landwirtschaftlich genutzten Flächen das Gras am besten nur einmal schneiden. Altgras kann auch stehen bleiben.
- Waldränder stufig gestalten mit geschwungenem Verlauf, besonnten Säumen und einer strukturreichen Krautschicht.
- An geeigneten Stellen besonnte Stein- oder Holzhaufen aufschichten und offen halten.
- Selbst im Privatgarten kann man mit ähnlichen Massnahmen Zauneidechsen Lebensraum bieten. Im Siedlungsgebiet muss man aber Katzen von Eidechsen-Standorten fernhalten; die Räuber können Reptilienbestände lokal vernichten!
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Pro Natura
- Zauneidechse
Der Feldhase – Tier des Jahres 2004
Der Feldhase war das Tier des Jahres 2004. Denn sein Niedergang steht für viele Tiere und Pflanzen, die im Landwirtschaftsgebiet leben oder gelebt haben. Als Schirmart ist der Feldhase aber ein besonders wichtiger Zeiger für die Qualität unseres Kulturlandes. Gibt es viele Hasen, ist sein Lebensraum intakt und sichert unzähligen anderen Lebewesen das Überleben. Mit der Rückkehr der Ökologie in die Landwirtschaft bestehen berechtigte Hoffnungen auf ein Comeback des Feldhasen.
Ab 1950 sind die Hasenbestände in der Schweiz eingebrochen. Das sieht man eindrücklich an den Abschusszahlen. Noch 1953 schossen Jäger 75'000 Tiere. 2002 brachten sie noch 2230 Hasen zur Strecke, 1280 Tiere allein im Kanton Graubünden.
Seit 1997 geht es mit dem Hasen in einigen Zählgebieten wieder aufwärts, im Durchschnitt 8 Prozent pro Jahr. Die Forscher sehen die Ursache in der besseren ökologischen Qualität des Lebensraums, die durch ökologische Beiträge des Bundes an Landwirte zustande kamen. Um sicher zu sein, dass der Aufwärtstrend anhält, müssen die Hasenpopulationen weiterhin überwacht werden.
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Soru Epotok /adobe.stock
- Feldhase
Der Schwalbenschwanz - Tier des Jahres 2003
Der Schwalbenschwanz (Papilio machaon) ist das Tier des Jahres 2003. Er steht für das Schicksal der meisten Tagfalter in der Schweiz. Sie sind zwar schön, harmlos und populär. Doch viele Schmetterlinge sind aus weiten Teilen unseres Landes verschwunden. Vor allem unter der intensiven Landwirtschaft haben die bunten Flatterer gelitten. Pro Natura will mit dem Tier des Jahres auf dieses Schicksal aufmerksam machen – und startet 2003 eine Kampagne zu Gunsten der Schmetterlinge.
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Pro Natura
- Der Schwalbenschwanz ist einer der größten und auffälligsten Tagfalter in der Schweiz
Die Waldameise - Tier des Jahres 2002
Die kleinen Ameisen haben eine grosse Wirkung auf das Ökosystem. Besonders die Waldameisen erfüllen im Wald wichtige Funktionen als «Gesundheitspolizei». Da die Waldameisen für das Ökosystem bedeutend sind, sind sie durch das Gesetz geschützt. Dennoch sind drei der sechs Arten auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten. Die grösste Gefährdung erfolgt durch die Zerstörung der Lebensräume und der Nester.
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Pro Natura
- Waldameisen bauen auffällige Hügelnester
Der Steinadler - Tier des Jahres 2001
Der Steinadler zeigt, dass nachhaltiger Erfolg im Naturschutz möglich ist. Erst 1953, kurz vor der Ausrottung, stellte der Bundesrat den Raubvogel unter Schutz. Pro Natura - der damalige Schweizerischer Bund für Naturschutz- bezahlte jahrzehntelang Entschädigungen für Adlerschäden an private Schafhalter, um Konflikte zu entschärfen.Vor 50 Jahren beinahe ausgerottet, geht es dem «König der Lüfte» heute gut.
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kamera_dstock.adobe
- Steinadler im Schweizer Nationalpark
Der Luchs - Tier des Jahres 2000
Der Luchs ist in der Schweiz noch nicht über den Berg - sowohl buchstäblich wie im übertragenen Sinn.Pro Natura will erreichen, dass Luchse wieder im ganzen Alpenraum eine Heimat finden. Nur so ist gewährleistet, dass die grosse Raubkatze unserer Wälder langfristig in gesunden Beständen überlebt. Pro Natura setzt auf sachliche, spannende Information über den Luchs, um diesem Ziel näherzukommen.
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Susanna Meyer / Pro Natura
- Der Luchs ist in der Schweiz noch nicht ausser Gefahr
Der Laubfrosch - Tier des Jahres 1999
Der Laubfrosch ist eine der am stärksten bedrohten Amphibienarten in Europa. In der Schweiz gilt er als stark gefährdet, hauptsächlich aufgrund der grossflächigen Zerstörung von Auengebieten und strukturreicher Feuchtgebiete. Viele der bisherigen Lebensräume können nur mit grossem Pflegeaufwand erhalten bleiben. Pro Natura setzt sich deshalb für die Schaffung von Auen ein.
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Urs Tester / Pro Natura
- Der Laubfrosch ist selten geworden
Der Biber - Tier des Jahres 1998
Biber fühlen sich am wohlsten in natürlichen ungestörten Fliessgewässern. Deshalb braucht es mehr natürliche und naturnahe Lebensräume. An aufgewerteten Fliessgewässern fühlt sich nicht nur der Biber wohl, sondern auch Äsche, Eisvogel und viele weitere Tier- und Pflanzenarten. Dazu sind Auen attraktive Erlebnis- und Erholungsräume für den Menschen. Pro Natura macht mit konkreten Projekten den Weg frei für den putzigen Nager.
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Beat Hauenstein / Pro Natura
- Der Biber gehört zur Schweizer Tierwelt
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Ehemalige Kiesgrube Espel, Gossau
Das Schutzgebiet «Ehemalige Kiesgrube Espel» befindet sich auf Gemeindegebiet der Stadt Gossau, nahe an der Grenze zur Nachbargemeinde Flawil. Es liegt auf einer von eiszeitlichen Schmelzwassern abgelagerten Schotterterrasse zwischen der heutigen Glatt im Westen und dem Dorfbach Gossau im Norden. Das Gebiet ist aus einer ehemaligen Kiesgrube hervorgegangen und wurde 1980 unter Schutz gestellt. Es besitzt bedeutende Amphibienvorkommen und ist ein Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung (Nr. SG 600). Die Stadt Gossau übergab im Jahr 2018 die 5.5 ha grosse Parzelle Pro Natura. Da die Sukzession weit forstgeschritten war, liess Pro Natura ein neues Pflege- und Entwicklungskonzept erarbeiten. Die ersten neuen Laichgewässer wurden bereits im Jahr 2019 geschaffen. 2020/21 wurden weitere Aufwertungsmassnahmen umgesetzt und das Schutzgebiet anhand eines neu ausgearbeiteten Besucherlenkungskonzepts markiert. Das Naturschutzgebiet wird von einer Gruppe Freiwilliger in Zusammenarbeit mit einem Landwirt gepflegt.
Weiterführende Informationen
Das Pro Natura Schutzgebiet der ehemaligen Kiesgrube Espel ist in einem 15-minütigen Fussmarsch von Burgau (Bushaltestelle Flawil, Burgau) aus erreichbar. Wanderweg in Richtung Kolumbanshöhle folgen (Columbanweg).
Beim Eingang des Schutzgebiets steht eine begrenzte Anzahl an Parkplätzen zur Verfügung.
Kiesgruben können sich für Tiere und Pflanzen der Flussauen zu wichtigen Ersatzlebensräumen entwickeln. Nicht nur die Beschaffenheit des Bodens ist in beiden Lebensräumen ähnlich, sondern auch die Lebensraumdynamik. In aktiven Kiesgruben sorgt nämlich der Bagger immer wieder für neue Pionierstandorte und Tümpel, ähnlich wie ein Hochwasser in den Auen. Mit der Aufgabe des Kiesabbaus schreitet indes die Sukzession schnell voran: Tümpel verlanden, Ruderalflächen verbuschen und entwickeln sich innert weniger Jahre zu einem Wald. Sollen die naturschützerischen Werte ehemaliger Kiesgruben erhalten werden, ist eine intensive Pflege notwendig. Auch die Stadt Gossau war sich dieser Sachlage bewusst und intensivierte vor allem die forstlichen Pflegemassnahmen. Trotz dieser Anstrengungen gelang es nur beschränkt, die Amphibienvorkommen zu halten. So sind in den letzten Jahrzehnten die Vorkommen von drei Amphibienarten (Kreuzkröte, Geburtshelferkröte und Laubfrosch) erloschen und die Gelbbauchunke konnte nur dank dem grossen Einsatz des Naturschutzvereins Gossau und Umgebung vor dem lokalen Aussterben bewahrt werden. Deshalb hat die Stadt Gossau im Jahr 2018 die Parzelle an Pro Natura St. Gallen-Appenzell abgetreten.
2019 liess Pro Natura einen Pflege- und Entwicklungsplan erarbeiten, deren Massnahmen in den Jahren 2019-21 umgesetzt wurden. Das Naturschutzgebiet Espel wird gemäss Pflegekonzept und -plan 2021 von einer Gruppe Freiwilliger in Zusammenarbeit mit einem Landwirt gepflegt.
Biotop Espel in besten Händen / Medienmitteilung Stadt Gossau vom 23.04.2018 Pflege- und Entwicklungsplan 2019 Pflegekonzept und -plan 2021Bereits im Frühling 2018 hat Pro Natura St. Gallen-Appenzell die Amphibienvorkommen im Schutzgebiet Espel untersucht. Wegen der niedrigen Bestände, insbesondere von Kamm- und Teichmolch sowie der Gelbbauchunke, wurden als Sofortmassnahme im Winter 2018/19 neue Amphibienlaichgewässer gebaut: Zwei grössere Weiher zur Förderung der Molche sowie eine Anlage mit vier Tümpeln zur Förderung der Gelbbauchunke. Der Erfolg liess nicht lange auf sich warten; in der Saison 2019 konnte eine gute Reproduktion der Gelbbauchunken beobachtet werden.
Parallel zu diesen ersten Massnahmen wurde ein Schutzkonzept und ein Aufwertungsprojekt erarbeitet. Das Bauprojekt wurde im Spätsommer 2019 zur Bewilligung eingereicht. Das Aufwertungsprojekt, welches im Jahr 2021 abgeschlossen wurde, verfolgt gemäss dem gesetzlichen Auftrag des Bundes das Hauptziel, die Amphibienfauna zu fördern.
Fauna
Das Schutzgebiet der ehemaligen Kiesgrube Espel ist ein Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung und beherbergt acht verschiedene Amphibienarten, darunter auch die in der Schweiz stark gefährdeten Arten Teichmolch (Lissotriton vulgaris), Kammmolch (Triturus cristatus) und Gelbbauchunke (Bombina variegata). Neben den Amphibien bestehen aktuelle Grundlagen zu den Libellen im Gebiet. Mit insgesamt 38 Libellenarten konnte im Zeitraum von 2013-2018 eine vielfältige Libellenfauna nachgewiesen werden.
Flora
Unter den gefährdeten Pflanzenarten der Roten Liste kommen im Schutzgebiet Espel ausschliesslich Ruderal-, Wasser- und Sumpf-pflanzen vor. Mit der Dickährigen Trespe (Bromus grossus) kommt im Gebiet sogar eine vom Aussterben bedrohte Pflanzenart vor. In der Schweiz sind aktuell weniger als 10 Standorte dieser Art bekannt, davon zwei im Kanton St. Gallen. Die Dickährige Trespe ist ursprünglich eine Ackerbegleitart des Wintergetreides, die speziell in Dinkelfeldern vorkam, seit dem Verschwinden dieser Kulturform aber ausschliesslich als Therophyt in Ruderalstandorten überleben konnte. In der ehemaligen Kiesgrube Espel wurde die Art erst 2013 entdeckt und 2016 im Rahmen eines Monitorings prioritärer Pflanzenvorkommen bestätigt. Die Dickährige Trespe ist ein mitteleuropäisches Florenelement und gilt auch als europaweit geschützte Art der Berner Konvention.
Unter den potenziell gefährdeten Pflanzenarten stechen verschiedene Sumpfpflanzen hervor, die v.a. in der Streuwiese im Nordteil des Gebietes vorkommen: Fleischrote Fingerwurz (Dactylorhiza incarnata), Sumpf-Stendelwurz (Epipactis palustris) und Sumpfbinse (Eleocharis palustris agg.).
Besucherinnen und Besucher können das Schutzgebiet Espel auf einem Rundweg erkunden. Die restlichen Flächen sind bewusst der Natur vorbehalten und dürfen nicht betreten werden.
Neben mehreren Sitzbänken gibt eine hölzerne Beobachtungsplattform beim Gebietseingang im Süden einen vertieften Einblick ins Gebiet. Vom treppenartig angelegten Steg aus Sandstein beim ehemaligen Absetzbecken im Norden können die Wasserbewohner beobachtet werden.
Um die Besuchenden des Schutzgebiets Espel mit weiterführenden Informationen über Flora und Fauna zu versorgen, wurden entlang des Rundweges verschiedene Thementafeln angebracht. Über den darauf abgebildeten QR-Code können interessierte Besucherinnen und Besucher folgende ökologische und naturschützerische Inhalte zum Gebiet abrufen:
Streifzug durchs (ur)alte Tessin: Boschetto bei Cevio
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