Sommer: im Naturgarten durch die Hitze
«Sitzen statt schwitzen» lautet die Devise
In Kürze:
Ein Naturgarten übersteht den Sommer besser als jeder andere Garten. Grün im Siedlungsraum und im Naturgarten verbessern das lokale Klima spürbar.
Giessen Sie frühmorgens direkt auf die Erde, mulchen Sie Ihre Pflanzen und es gilt: lieber einmal viel als öfters wenig.
Auch im Sommer ist weniger mehr. Lehnen Sie sich zurück, legen Sie sich in die Hängematte und geniessen Sie den Schatten.
Für den Naturgarten ist der Hochsommer keine Krisenzeit. Im Gegenteil: Ein gut gestalteter, vielfältiger Naturgarten zeigt gerade jetzt seine Stärken. Tiefwurzelnde Wildstauden überstehen Trockenphasen, ohne zu kollabieren. Mulchschichten halten die Feuchtigkeit im Boden. Schattenspendende Gehölze kühlen die Umgebung. Und während der konventionelle Rasen gelb und hart wird, blüht die Blumenwiese weiter.
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Daniel Rhis
Der Naturgarten ist nicht nur schön und artenreich – er ist auch eine konkrete, praktische Antwort auf die Klimakrise. Wer heute seinen Garten naturnaher gestaltet, investiert in die Widerstandskraft des eigenen Lebensraums.
Welche Tiere besuchen mich im Sommer im Naturgarten?
Im Naturgarten geht es im Sommer geschäftig zu und her: Wildbienen und Schwebfliegen sammeln schier unermüdlich Pollen und Nektar. Käfer und Schmetterlingsraupen fressen sich am Grün satt. Vögel haben ihre Jungen grossgezogen und geniessen eine Abkühlung im Vogelbad. Grillen und Frösche stimmen sich zum abendlichen Konzert ein.
Wussten Sie? Bei den Fröschen haben die Männchen eine grosse Klappe. Die Weibchen verfügen nicht über die grossen Schallblasen und quieken oder knurren nur ganz leise. Das laute Geplapper stammt von den männlichen Fröschen, die ihr Revier markieren und Weibchen anlocken möchten.
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Daniel Rhis
Die grosse Garten-Frage: Wie giesse ich im Hochsommer richtig?
Wie giesse ich im Sommer wassersparend? Was muss ich giessen? Und wann giesse ich meinen Garten am besten? Das kleine Giesskannen 1x1:
- Was: Welche Strukturen Sie im Hochsommer regelmässig giessen müssen, hängt stark von dem Alter der Pflanzen und den Temperaturen ab. Grundsätzlich gilt:
- Topfpflanzen: täglich giessen
- Wiesen: Nur bei extrem langer Trockenheit, wenn die Pflanzen sichtlich welken.
- Trockenstandorte / Ruderalflur: nicht giessen
- Hecken: Bei langanhaltender Trockenheit kann die Hecke 1-2 die Woche gegossen werden. Es gilt: möglichst den Wurzelbereich zu giessen, ca. 15 l / m2
- Bäume: in den ersten 2-3 Jahren 1 Mal pro Woche 50 l giessen oder einen Baumbewässerungsbeutel nutzen. Grosse, gut verwurzelte Bäume müssen normalerweise nicht gegossen werden. Informieren Sie sich über Ihren Baum, Standort und Alter.
- Zeitpunkt: Frühmorgens, dann verdunstet wenig Wasser und nasse Blätter trocknen anschliessend schnell. So verhindern Sie Pilzkrankheiten an den Pflanzen.
- Wie:
- Lieber einmal viel, als öfters wenig. So wurzeln die Pflanzen tiefer und können sich auch besser selbst mit Wasser versorgen
- Direkt auf die Erde, nahe bei den Wurzeln giessen, nicht auf die Blätter
- Mit Giesskanne oder Schlauch giessen, Rasensprenger vermeiden.
FAQ «In meinem Naturgarten durch die Sommermonate»
Es gibt einige Tricks, um den Wasserverbrauch zu optimieren:
- Sammeln Sie das Regenwasser von allen Dachrinnen in einer geeigneten Regentonne. Decken Sie diese bis auf die Sammelöffnung zu, damit sie keine Falle für Kleintiere wird. Bei Problemen mit Mücken kann ein feinmaschiges Netz helfen.
- Mulchen Sie Ihre Pflanzen: Decken Sie den Boden rund um die Pflanzen, die Sie giessen müssen mit einer fünf bis zehn Zentimeter dicken Schicht Mulch zu. Als Mulch eignen sich:
- Rasen-/Wiesenschnitt (Hinweis: mit dem Wiesenschnitt verteilen Sie allenfalls auch Grassamen)
- Laub
- Brennnesseln
- Häckselgut, aus dem eigenen Garten
- Stroh
- Setzen Sie Bodendecker: Mit kleinen, bodendeckenden Pflanzen können Sie die Erde rund um Pflanzen ebenfalls schützen, so dass weniger Wasser verdunstet.
Im Naturgarten gibt es oft bereits viele schattige Plätze, die für alle Tiere im Garten wichtig sind. Kleinstrukturen wie Ast- und Laubhaufen aber auch Hecken und Baumkronen bieten kühle Rückzugsorte.
Wasserstellen helfen den Tieren, Abkühlung und Trinkwasser zu finden. Wechseln Sie das Wasser regelmässig, damit das Wasserbad keine Brutstätte für (Tiger-)mücken wird. Schaffen Sie mit Ästen oder Steinen Austieghilfen und Landeplätze im Wasser.
Insekten sind auch bei Hitzetagen auf Nektar und Pollen angewiesen. Giessen Sie in den frühen Morgenstunden, bevor die Futtersuche beginnt, damit Sie die Insekten nicht mit dem Wasser verscheuchen.
Achten Sie sich auch in den heissen Tagen darauf, Barrieren und Fallen für Kleintiere im Garten zu vermeiden, indem Sie zum Beispiel den Gartenschlauch jeweils sauber aufrollen und aufhängen. Barrieren und Fallen für Kleintiere vermeiden
Ihren Trockenstandort können Sie bei extremer, langanhaltender Trockenperiode wässern, Sie müssen aber nicht. Er wird sich wieder regenerieren auch wenn er durch die belastende Hitze lückig geworden ist. Lücken im Bestand können neue interessante Arten wie Sandbienen oder Grabwespen anziehen.
Das begrünte Dach müssen Sie auch im Hitzesommer nicht wässern, auch wenn die Vegetation vertrocknet. Angepasst Wildpflanzen überstehen auch extreme Trockenperioden. Zudem sorgen die im Boden vorhandenen Samen für eine rasche Regeneration.
Einheimische Pflanzen im Naturgarten sind sehr anpassungsfähig und deutlich robuster als viele Zierpflanzen. Sie haben damit bereits eine hervorragende Wahl getroffen. Einheimische Wildpflanzen sind an das lokale Klima und die heimische Tierwelt angepasst sind. Dennoch können im Sommer einige Befälle und Krankheiten auftreten. Wichtig ist: Nicht jeder Frass oder Befall ist ein Problem – im Naturgarten gehört ein gewisser Schaden sogar zum ökologischen Gleichgewicht.
Bei etablierten heimischen Arten gilt: Beobachten statt bekämpfen. Ein paar Blattläuse, Raupen oder Pilzflecken sind normalerweise kein Zeichen eines Problems, sondern Teil eines funktionierenden Naturgartens. Oft tauchen wenige Tage später die natürlichen Gegenspieler auf und stellen das Gleichgewicht wieder her. Ist dies nicht der Fall, informieren Sie sich über den genauen Befall und die naturnahen Pflegeempfehlungen.
Grosse Teiche brauchen auch im Hochsommer keine Pflege. Eingriffe sollten nur im Herbst stattfinden. Miniteich und Sumpfbeet müssen Sie aber auch im Sommer im Auge behalten:
- Falls Sie in einem Quartier wohnen, in dem Tigermücken gesichtet wurden, verzichten Sie besser auf einen Miniteich.
- Füllen Sie im Sommer regelmässig Wasser im Miniteich nach und fischen Sie Fadenalgen heraus.
- Fluten Sie das Sumpfbeet bei längeren Trockenzeiten mit Wasser. Das Beet darf nicht tiefgründig austrocknen. Temporäre Pfützen von 1-3 cm Tiefe sind kein Problem.
Tipp: Wenn Sie Algen herausfischen, lassen Sie die Algen für 1-2 Tage am Teichrand liegen, damit Tiere zurück in den Teich kriechen können.
Was für alle Teiche gilt:
- Leiten Sie kein Regenwasser direkt vom Dach in den Teich. Es enthält zu viele Nähr- und Schadstoffe. Verzichten Sie auch auf jegliche Wasser-Zusatzstoffe. Verwenden Sie normales Leitungswasser, wenn Sie den Teich auffüllen müssen.
- Verzichten Sie auf Springbrunnen und Sauerstoffpumpen: Manche Pumpen saugen Kleinlebewesen (Plankton bis Kaulquappen) mit dem Teichwasser an und zermalmen sie.
- Setzen Sie keine Tiere aus anderen Gewässern in Ihren Teich und setzen Sie keine Tiere aus Ihrem Teich an andere Standorte. Es ist gesetzlich verboten. Die Tiere suchen sich Ihren Lebensraum selbst.
- Setzen Sie auch keine Pflanzen aus anderen Teichen in Ihren Teich. So können sich Krankheiten wie die Chytridiomykose verbreiten.
Wenn Sie eine Blumenwiese neu angelegt haben, geht es zuerst um die sogenannte Entwicklungspflege, anschliessend folgt die Dauerpflege:
- 6–8 Wochen nach der Ansaat: erster Säuberungsschnitt, Schnitthöhe von min. 10 cm, Schnittgut sofort entfernen, nicht mulchen.
- Wiederholen Sie den Säuberungsschnitt im Laufe des Sommers, immer dann, wenn der Bestand etwa kniehoch ist.
- Wässern Sie nur, wenn die Fläche klein ist und Sie ein rasches Wachstum wünschen. Die Wiese muss dann aber mind. 6 Wochen, bis zur Keimung feucht gehalten werden.
- Jäten Sie nicht, damit Sie keine Keimlinge ausreissen.
- Falls Sie in Ihren Augen zu viele Gräser in der Blumenwiese haben, schneiden Sie diese gezielt von Hand zum Beispiel mit einer Sichel. Auch hier die Mindesthöhe von ca. 10 cm beachten, das Schnittgut entfernen.
- Zweites und drittes Jahr: Wenn Sie mit Stauden einen alten Rasen aufwerten, mähen Sie den alten Rasenbestand ca. Fünfmal jährlich. So etablieren sich die neu eingebrachten Arten eher. Flächen mit Streifeneinsaat oder die Pflanzungen selbst nur maximal zweimal pro Jahr mähen.
- Dauerpflege: Mähen Sie die gesamte Fläche 1–3 Mal pro Jahr mit einer Sichel, Sense oder mit dem Balkenmäher. Der erste Schnitt darf bei fetten Wiesen (3x mähen) ab Ende Mai / Anfang Juni, bei eher mageren Wiesen (1–2x mähen) ab Mitte Juni erfolgen. Der letzte Schnitt erfolgt im Oktober.
- Mähen Sie bei trockener Witterung mit einer Schnitthöhe von mindestens 10 cm. Verteilen Sie das Schnittgut zum Trocknen gleichmässig auf der Fläche, wenden Sie es regelmässig und tragen Sie es am Abend des dritten Tages ab.
- Mähen Sie nie die ganze Fläche. Lassen Sie mindestens 10 % Altgrasstreifen stehen. In den dürren Pflanzenstängel überwintern gerne Insekten. Achten Sie zudem darauf, dass Sie nicht immer die gleiche Fläche stehen lassen.
Wichtig: Verzichten Sie auf Mähroboter und Fadenmäher. Diese machen keinen Halt vor Tieren und sind tödlich für Igel, Amphibien und Insekten.
Was mache ich mit dem Heu bzw. Schnittgut?
Für das Schnittgut gibt es verschiedene wertvolle Verwendungszwecke:
- Nutzen Sie es als Futter für Kleintiere oder Pferde
- Errichten Sie einen Grashaufen. Dieser muss 15–20 cm Abstand vom Boden haben. Nutzen Sie einen Rost aus verschiedenen grossen Ästen als Grundlage für den Grashaufen.
- Kompostieren Sie es im eigenen Garten, nutzen Sie es zum mulchen.
- Bringen Sie es in eine Biogasanlage
Die Devise heisst: Stängel stehen lassen
Entfernen Sie verblühte Pflanzen nicht. Lassen Sie so viele Stängel wie möglich stehen und schneiden Sie diese erst im kommenden späten Frühling zurück. Stehengelassene Stängel und Blütenköpfe bilden wichtige Rückzugsorte für viele Insekten.
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Daniel Rhis
Samen sammeln für den Herbst
Im Sommer können Sie im eigenen Garten die Samen Ihrer liebsten heimischen Wildpflanzen sammeln, um später im Garten Lücken zu schliessen, oder einer anderen Naturgärtner:in eine Freude zu machen. Sammeln Sie nur von heimischen, gesunden Arten und achten Sie darauf, sie anschliessend auch standortgerecht zu säen.
Sammeln Sie nie alle Samen einer Pflanze. Viele Pflanzen versamen sich auch selbst.
Wann ist ein guter Zeitpunkt?
Samen sind meist reif, wenn:
- die Fruchtstände braun oder strohfarben werden,
- sich Samen leicht lösen lassen,
- die Pflanze bereits verblüht ist.
Sammeln Sie möglichst an einem trockenen Tag nach einigen regenfreien Tagen. Anschliessend:
- Samen vollständig trocknen lassen.
- Pflanzenreste entfernen.
- In Papierkuverts oder Papiertüten aufbewahren.
- Beschriften (Art und Sammeldatum).
- Samen Kühl, trocken und dunkel lagern.
Beobachten statt eingreifen – der Hochsommer als Lernzeit
Der Hochsommer ist die Zeit, in der man am meisten über den eigenen Garten lernen kann – wenn man sich die Zeit nimmt, hinzuschauen. Was blüht jetzt noch? Welche Insekten kommen? Welche Vögel besuchen den Garten? Wo sind Stellen, die austrocknen, und wo bleibt es auch ohne Bewässerung feucht?
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Angela Peter
Diese Beobachtungen sind Gold wert für die Gartenplanung. Wer jetzt feststellt, dass eine Ecke des Gartens trotz allem austrocknet, kann im Herbst trockenheitsresistente Stauden nachpflanzen. Wer sieht, dass ein bestimmter Strauch von Insekten gemieden wird, kann ihn durch eine heimische Art ersetzen.
Fazit: Der Hochsommer gehört dem Leben
Hitze und Trockenheit klingen nach Stress – und das sind sie auch für viele Gärten. Aber im Naturgarten zeigt sich der Hochsommer von seiner besten Seite: als Zeit der Fülle, der Farben und des Summens. Wer auf heimische Pflanzen setzt, klug mulcht und dem Garten erlaubt, er selbst zu sein, erlebt diese Wochen als eines der schönsten Kapitel im Gartenjahr.
Der Naturgarten braucht im Hochsommer nicht viel – aber er gibt sehr viel zurück.
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