Kiental @ Pro Natura

Kampagne «Wildnis – mehr Freiraum für die Natur!»

Die Faszination für Wildnis ist die Sehnsucht nach «echter Natur». Landschaften ohne oder mit wenig menschlichen Eingriffen sind ein wichtiger Gegenpol zu den stark von Menschen geprägten Lebensräumen.

Viele Tier-, Pflanzen- und Pilzarten benötigen für ihr Überleben Naturräume, in denen der Mensch nicht in die Entwicklung eingreift. Wie sich diese Flächen entwickeln, ist auch aus wissenschaftlicher Sicht hoch interessant, denn was in der Natur passiert, wenn wir die Finger davonlassen, ist nicht eindeutig vorhersehbar – insbesondere in Zeiten des Klimawandels.

Das Jahr der Wildnis

Pro Natura erklärt das Jahr 2020 zum Jahr der Wildnis. Wir wollen zeigen, wie wertvoll die Natur in der Schweiz ist, welche unterschiedlichen Arten von Wildnis es gibt und was wir alle dafür tun können, dass uns Wildnis erhalten bleibt. Dafür steht unsere Botschafterin, die Wildkatze, die ohne unberührte Landschaften keine Lebensgrundlage mehr hätte. Aber auch der Sihlwald, der zeigt, dass aus ursprünglich genutzten Flächen wieder Wildnis entstehen kann. Oder der Bergurwald Derborence im Wallis, dessen Tannen hunderte Jahre alt sind. All diese Arten von Wildnis werden wir im Rahmen unserer Wildnis-Kampagne porträtieren.

Naturschutzgebiet Derborence

Komplett unberührte Urlandschaften gibt es in der Schweiz und in Mitteleuropa praktisch keine mehr. In den Alpen oberhalb der Baumgrenze finden wir noch grössere zusammenhängende Gebiete, die nur wenig vom Menschen beeinflusst sind. Diese letzten Wildnisgebiete müssen wir erhalten.

Aber auch im Jura, in den Voralpen und im Mittelland gibt es wilde Gebiete, die sich für eine ungestörte, dynamische Naturentwicklung eignen – Gebiete, die wir Menschen bewusst in Ruhe lassen sollten. Dies können ehemals genutzte Wälder, Flussauen oder Moore sein. Auch Randflächen im Landwirtschaftsland oder wilde Ecken im Naturgarten sind als «Miniaturwildnis» wichtige Trittsteinbiotope.

Wildnis in der Schweiz

Die folgende Karte stellt die Qualität der Wildnisgebiete und der Gebiete mit Potenzial für freie Naturentwicklung in der Schweiz dar. Die dunkelblauen Flächen auf der Karte sind Wildnisgebiete. Diese liegen in den Alpen und in der Südschweiz. Die hellblauen Flächen im Jura, in den Voralpen und im Mittelland sind wilde Räume, die sich für eine freie Naturentwicklung eignen.

Geben Sie Ihre Postleitzahl oder Ihren Wohnort ein, zoomen Sie in Ihre Wohn- oder Ferienregion. Wilde Räume gibt es auch in Ihrer Nähe. Gehen Sie raus und geniessen Sie die Natur, am besten auf den offiziellen Wanderwegen.

Legende

  • Dunkel-/mittelblau: Wildes und sehr wildes Gebiet (Wildnisqualität 20-12)
  • Mittel-/hellblau: Weniger wildes Gebiet mit Potenzial für freie Naturentwicklung (Wildnisqualität 11-8)
  • Keine Färbung: Vom Menschen stark verändertes Gebiet (Wildnisqualität < 8, wird nicht dargestellt)

Grundlagen der Karte

Wissenschaftler/-innen der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) haben die Karte in Zusammenarbeit mit Pro Natura und Mountain Wilderness entwickelt. Sie basiert auf dem 100 mal 100 Meter Raster der Arealstatistik und stellt eine Kombination folgender vier Wildniskriterien dar:

  1. Natürlichkeit
  2. Menschliche Einflüsse
  3. Abgeschiedenheit
  4. Rauheit der Topografie

Alle vier Kriterien wurden mit Geodaten berechnet. Fachpersonen haben die Analyse verfeinert und festgelegt, ab welchem Wert ein Gebiet Potenzial für freie Naturentwicklung aufweist, auch wenn es nicht die hohe Wildnisqualität der grossen naturnahen Landschaften im Alpenraum erreicht.

Was Pro Natura tut

Pro Natura und ihre Sektionen sichern über 700 Schutzgebiete in der Schweiz. Dazu gehören auch viele Gebiete, die bewusst für den Erhalt der Wildnis und die Förderung freier Naturentwicklung geschützt werden. Das sind zum Beispiel Naturwaldreservate, in denen keine Bäume gefällt werden. Dort kann während vielen Jahrzehnten eine natürliche Entwicklung stattfinden. Pro Natura regeneriert ehemals vom Menschen genutzte Moore und lässt dann der Natur freien Lauf. Bei geschützten Flussauen übernimmt oft der Biber die gestalterische Arbeit der Natur.

Neben den Schutzbestrebungen «draussen» geht es uns darum, Raum für neue Blickwinkel und Positionen zum Thema Wildnis in den Köpfen zu schaffen. Pro Natura setzt sich für neue Naturerlebnispärke und Nationalpärke ein, in deren Kernzonen sich die Natur ungestört entwickeln kann. Wir fördern naturverträgliches Freizeitverhalten, indem wir gemeinsam mit Partner- und Nutzerorganisationen Verhaltensregeln für das Erleben von wilden, naturnahen Landschaften erarbeiten und bekannt machen.

Pro Natura pflegt ein grosses Netz an Kontakten zu Ansprechpersonen in Verwaltung und Politik und setzt sich für die Förderung der freier Naturentwicklung in der Naturschutz-Praxis ein. Für den Erhalt der letzten ursprünglichen Naturlandschaften in der Schweiz macht sich Pro Natura mit ganzer Kraft auf gesetzlicher und politischer Ebene stark.

Was Sie tun können

Erlebnisse in ursprünglichen Naturlandschaften bieten einen attraktiven Ausgleich zu unserem Alltagsleben in einem vom Menschen geprägten Lebensumfeld und Tagesablauf. Freizeitaktivitäten bieten uns die Möglichkeit, die Natur besser kennen, verstehen und schätzen zu lernen. Ob zu Fuss, mit dem Velo, mit Schneeschuhen oder mit Skis – wir hinterlassen Spuren in der Landschaft. Das gilt umso mehr, wenn wir einen Hund dabei haben oder eine Drohne fliegen lassen. Wir müssen uns an Spielregeln halten, damit die Tiere und Pflanzen, denen wir dort draussen begegnen, nicht auf der Strecke bleiben.

Für viele Gebiete, für viele Outdoorsportarten und andere Freizeitaktivitäten gibt es Verhaltensregeln, die erklären «wie», «wo» und «wann» wir draussen unterwegs sein sollten und warum dies wichtig ist. Bitte informieren Sie sich hier und helfen Sie mit, dass die letzten wilden Gebiete der Schweiz erhalten bleiben.

Kleine «Naturinseln» im Garten, im Park oder auf einer Brachfläche sind wichtige Trittsteine für die Biodiversität. Sie verbinden grössere Naturflächen und helfen Tieren und Pflanzen beim Leben und bei der Ausbreitung im dicht bebauten Gebiet. Ausserdem sind diese wilden Ecken ein Stück Natur zum Anfassen und Erleben im Alltag. Legen auch Sie eine «Miniaturwildnis» rund ums Haus an!

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