Wiese≠Wiese und Weide≠Weide

Warum sind manche Wiesen und Weiden nur grün, andere grün-gelb gesprenkelt und wieder andere leuchtend bunt?


Wiese ist nicht gleich Wiese – sei es im Landwirtschaftsland, auf öffentlichen Grünflächen oder in Gärten. Grünland entwickelt sich unterschiedlich, je nachdem wie intensiv oder extensiv es genutzt wird.

 

  • Wird es gemäht und das Schnittgut als Viehfutter verwendet, spricht man von Wiesen.
  • Wird es beweidet, spricht man von Weiden.

Zusammenstellung der wichtigsten Grünlandtypen

Intensiv genutzte Wiesen
Die Raygraswiese ist der artenärmste aber auch der ertragreichste Wiesentyp
Artenarme Raygraswiese

Einförmige Produktionsflächen für Silofutter

Intensiv genutzte Wiesen stellen heute die häufigsten Wiesentypen der Schweiz dar. Typische Beispiele sind Raygras- und Knaulgraswiesen.

Sie werden regelmässig mit Gülle und/oder Kunstdünger gedüngt und wachsen daher auf sehr nährstoffreichen Böden. Intensiv genutzte Wiesen werden vier- bis sechsmal im Jahr gemäht, das Gras meistens als Silage genutzt. Auf diesen artenarmen Flächen gedeihen weniger als 20 Pflanzenarten pro Are.

Wenig intensiv bis extensiv genutzte Wiesen
Feuchte Fromentalwiesen leuchten durch die Kuckucks-Lichtnelke rosa
Feuchte Fromentalwiesen

Wie unsere Wiesen einmal aussahen

Noch vor wenigen Jahrzehnten waren wenig intensiv bis extensiv genutzte Wiesen die häufigsten Wiesentypen der Schweiz, heute sind sie selten. Goldhaferwiesen (Bergfettwiesen) und Glatthaferwiesen (Fromentalwiesen) sind die wichtigsten Vertreterinnen dieser Kategorie. Sie werden nicht oder höchstens selten mit Mist gedüngt und zwei- bis dreimal pro Jahr gemäht. Das Gras wird in der Regel getrocknet und als Heu verwendet. Auf diesen Wiesen findet man rund 20 bis 35 Pflanzenarten pro Are.

Extensiv genutzte Wiesen
Die feinen Gräser (Aufrechte Trespe) lassen den Betrachter in die farbige Kräuterwelt der Halbtrockenwiese blicken
Halbtrockenwiese

Wo es summt, brummt und spriesst

Extensiv genutzte Wiesen stellen das artenreichste Grünland der Schweiz dar. Typische Ausprägungen sind die Halbtrocken- oder Trespenwiesen. Hier können mehr als 50 Pflanzenarten pro Are gefunden werden. Diese Flächen werden nicht gedüngt und nur ein- bis zweimal pro Jahr gemäht.

Intensiv genutzte Weiden
Heutige Intensivweiden werden so stark genutzt, dass sie für freilebende Tiere und Pflanzen keinen Lebensraum mehr bieten
Intensiv genutzte Weide

Gras, Kuh und sonst nicht viel

Auf intensiv genutzten, gedüngten Weiden steht das Gras kurzgefressen. Die gleichmässige Nutzung wird zusätzlich durch Pflegeschnitte ergänzt. Die Trittbelastung durch Rindvieh ist hoch. Hier wachsen nur wenige Pflanzenarten, nur wenige Blüten und Strukturen gestalten den Lebensraum. Das Weideland ist für einen vielfältigen Mix von Tier- und Pflanzenarten ungeeignet. 

Extensive Weiden
Extensive Weide mit Kleinstrukturen wie Asthaufen und eingeschlossenen Hecken
Extensive Weide

Wertvoller Lebensraum am steilen Hang

Sehr artenreiche, strukturreiche Weiden mit extensiver Nutzung finden sich häufig an sonnigen, steilen Lagen. Sie werden nicht gedüngt und nur ein- bis dreimal im Jahr über begrenzte Zeit beweidet. Die Trittbelastung ist viel geringer als auf intensiv genutzten Weiden. Stellen mit Über- oder Unternutzung wechseln sich ab, was einen interessanten Standortmix bietet für eine breite Palette an Pflanzenarten und Kleintieren.

Weitere extensiv genutzte Grünlandstandorte

Alpine Rasen
In Rostseggenhalden finden sich viele attraktive Arten wie die Weisse Trichterlilie oder die Kugelorchis
Rostseggenhalden

Natürliches Grünland hoch oben am Berg

Oberhalb der natürlichen Waldgrenze wachsen alpine Rasen. Im Gegensatz zu den Wiesen und Weiden im Tal sind diese Flächen nicht gerodet und vom Menschen zu Grünland gemacht worden, sondern stellen einen natürlichen Standort dar. Sie sind aufgrund des Wettbewerbs um die wenigen Bestäuber häufig durch Pflanzenarten mit grossen Blüten geprägt und es kommen, je nach Standortbedingungen, unterschiedliche artenreiche Pflanzengesellschaften vor. 

Steppenrasen
Steppenrasen mit Astloser Graslilie und vielen schmalblättrigen Gräsern
Steppenrasen

Extremstandorte in den Alpentälern

Die inneralpine Felsensteppe stellt den trockensten Grünlandlebensraum der Schweiz dar. Die artenreichen, seltenen Pflanzengesellschaften der Felsensteppe sind an die extremen Standortbedingungen in den niederschlagsärmsten Gebieten der Alpentäler angepasst. Auf diesen mageren Flächen findet in der Regel keine Bewirtschaftung statt, allenfalls sehr extensiv mit Schafen oder Ziegen.

Flachmoore
Kalk-Kleinseggenriede weisen neben Sauergräsern, welche vom Rindvieh nur selten gefressen werden, viele Orchideen auf
Kalk-Kleinseggenriede

Die nasse Seite des Grünlands

Auch Flachmoore werden dem Grünland zugerechnet. Pfeifengraswiesen und Kleinseggenriede werden zum Teil noch heute als Streuwiesen genutzt.

Siedlungsgebiet
Vielfältige Vegetationsformen sind ein entscheidender Faktor für die Artenvielfalt in der Stadt. Je mehr Wuchsformen, desto mehr Arten
Grünfläche im Siedlungsgebiet

Grüne Einfalt mit Entwicklungspotenzial

Im Siedlungsraum dominieren sowohl auf öffentlichen Grünflächen wie auch in privaten Gärten einförmige, kurz geschnittene Rasenflächen mit sehr wenigen Arten. Das häufige Rasenmähen lässt Wiesenblumen keine Chance. Zudem sind die Böden häufig überdüngt.