Der Tod auf der Strasse

Auf Strassen und Schienen passieren täglich unzählige Wildunfälle, bei denen Wildtiere ihr Leben verlieren. Die Mortalität durch Verkehrsunfälle stellt bei einigen Tierarten, wie zum Beispiel Reh, Rothirsch sowie verschiedenen Amphibienarten eine bedeutende Todesursache dar.

 

Die grosse Zahl an Wildunfällen zeigt: Tiere, die es wagen, Strassen und Bahnlinien zu überqueren, gehen ein äusserst hohes Risiko ein. Im Untersuchungszeitraum von 2010 bis 2014 verzeichnet das Bundesamt für Umwelt (BAFU) die enorme Zahl von total 102‘300 Wildunfällen mit tödlichen Folgen für Tiere.

 

Diese Zahl umfasst nur grosse und mittlere Säugetiere in der Grössenordnung vom Hirsch bis zum Hasen. Alles, was kleiner ist, wird in der Statistik nicht erfasst: Kleinsäuger wie Marder, Eichhörnchen oder Mäuse sowie Vögel, Reptilien und Amphibien. Gerade Frösche und Co. sind bei ihren saisonalen Wanderungen zu den Laichgebieten extrem gefährdet.

20‘000 Verkehrstote pro Jahr sind zu viel

Die BAFU-Statistik weist pro Jahr im Durchschnitt über 20‘000 auf Strassen und Eisenbahnlinien getötete Tiere aus:

  • knapp 9000 Rehe
  • knapp 7000 Füchse
  • knapp 3000 Dachse
  • rund 650 Hasen
  • über 500 Hirsche
  • knapp 500 Wildschweine
  • knapp 50 Gämsen

Gemäss Schweizerischem Versicherungsverband erleiden mehr als 60 Personen pro Jahr Verletzungen durch Verkehrsunfälle mit Wild. Die Kosten für Sach- und Personenschäden durch Wildunfälle in der Schweiz werden auf 40 bis 50 Millionen Franken pro Jahr geschätzt.

 

Mit zunehmendem Verkehr nimmt die Zahl der Wildunfälle zu:

  • Bei 2500 Fahrzeugen pro Tag schafft es nur noch die Hälfte der Tiere unbeschadet über die Strasse
  • Im Bereich von 4000 bis 9000 Fahrzeugen pro Tag gleicht die Strasse einer Todesfalle für Tiere. Dieser Wert entspricht der Verkehrsbelastung vieler Haupt- und Nebenstrassen in der Schweiz.
  • Bei über 8000 Fahrzeugen pro Tag ist die abschreckende Wirkung einer Strasse so gross, dass sich kaum mehr Tiere trauen, diese zu überqueren. Die Strasse wirkt dann wie eine Mauer.
Technische Massnahmen gegen Wildunfälle

Technische Massnahmen gegen Wildunfälle setzen den Hebel an verschiedenen Stellen an. Folgende Massnahmen versuchen auf das Verhalten der Tiere einzuwirken, sie abzuschrecken und damit von einer Querung der Strasse abzuhalten:

  • «Lichtzäune» mit blitzenden Reflektoren
  • «Duftzäune» mit abschreckenden Gerüchen
  • akustische Wildwarngeräte, die schrille Töne aussenden
     

Die Wirksamkeit dieser relativ günstigen technischen Abschreckungsmassnahmen ist umstritten. Für manche Tierarten an manchen Standorten mögen sie funktionieren, eine ausreichende Prävention vor Wildunfällen bieten diese Massnahmen aber leider nicht.

 

Andererseits werden Massnahmen eingesetzt, die auf das Verhalten der Autofahrerinnen und -fahrer einwirken sollen:

  • Die häufigste Variante sind die «Achtung Wildwechsel»-Tafeln an unfallträchtigen Strassenabschnitten. Da diese statischen Tafeln nur auf eine potenzielle Gefahr hinweisen, werden sie von den meisten Verkehrsteilnehmenden nicht beachtet und zeigen praktisch keine Wirkung.
  • Eine neuere, technisch aufwändigere Variante sind Wildwarnsysteme, die Autofahrerinnen und -fahrer vor einer konkreten Gefahr durch Tiere auf der Fahrbahn warnen. Tiere lösen das Signal aus, wenn sie sich der Strasse nähern, beleuchtete «Achtung Wildwechsel»-Tafeln beginnen zu blinken und eine 40 km/h Geschwindigkeitsbegrenzungstafel wird aktiviert. 60 Sekunden später schaltet sich das System wieder selbstständig ab. Untersuchungen zu diesen Anlagen liefern vielversprechende Ergebnisse, bei optimaler Platzierung können sie Unfälle mit Huftieren verhindern.