Die Wanderwege der Tiere sind blockiert

Die Schweizer Landschaft ist ein Flickenteppich. Immer mehr Strassen und Eisenbahnlinien zerschneiden die Wildtierkorridore, die natürlichen Wanderwege der Tiere. Verlust an Lebensräumen, Barrierewirkung und Wildunfälle sind die Folgen. Das muss nicht sein. Mit mehr Wissen, entsprechender Planung und politischem Willen können wir dies verbessern. 

 

Viele Wildtierkorridore und Bewegungsachsen in der Schweiz sind zerschnitten. Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) hat im Jahr 2001 auf Basis kantonaler Daten 304 überregionale Wildtierkorridore für die Schweiz erfasst. Umgangssprachlich könnte man es das «Netz der tierischen Weitwanderwege» nennen. Der Zustand dieses Wegenetzes war erschreckend. Nur 28 Prozent der Wildtierkorridore waren intakt, 56 Prozent beeinträchtigt und 16 Prozent total unterbrochen.

 

Man stelle sich einen solch miserablen Zustand bei unserem Strassen- und Wegenetz vor: Unser gesellschaftliches und wirtschaftliches Lebens wäre massiv eingeschränkt. Den Wildtieren geht es nicht besser, doch wir Menschen nehmen das kaum wahr.

 

Bund und Kantone sind gesetzlich verpflichtet, eine Sanierung der Korridore in Form von landschaftspflegerischen und baulichen Massnahmen vorzunehmen. Umso erschreckender ist, dass das BAFU bei einer Überprüfung der Situation zehn Jahre nach Projektbeginn eine weitere leichte Verschlechterung der Situation feststellen musste. Zwar gab es einige gelungene Sanierungen von Wildtierkorridoren, diese wurden aber durch die allgemeine Verkehrszunahme und den Siedlungsdruck unter dem Strich wieder zunichte gemacht. Fazit: Der Zustand ist schlecht, und er verbessert sich nicht. Das darf so nicht weitergehen!

Die Schweizer Landschaft ist ein Flickenteppich

Die Zerstückelung der dicht besiedelten Schweizer Landschaft ist im internationalen Vergleich sehr hoch. Im Durchschnitt zerteilen 2,7 km Strassen jeden Quadratkilometer Landesfläche. Im Mittelland sind es sogar bis 7 km Strassen pro Quadratkilometer.

 

Diese Werte haben in den vergangenen 30 Jahren stark zugenommen. Im Mittelland ist die Dichte von Infrastrukturbauten, welche die Landschaft zerstückeln, innerhalb des oben genannten Untersuchungszeitaums auf fast das Doppelte angestiegen. Anlagenfreie Gebiete mit mehr als 0,25 km2 findet man auf weniger als 1% der Fläche. Die Lebensraumzerschneidung stellt einen der wichtigsten Faktoren für den Artenrückgang dar, neben Zersiedelung, Intensivierung der Landwirtschaft und Störungen durch Freizeitaktivitäten.

Flächenverbrauch, Unfälle und Barrierewirkung

Strassen und Eisenbahnlinien haben vielfältige negative Auswirkungen auf das Leben der Wildtiere. Durch den Flächenverbrauch der Verkehrsinfrastrukturen gehen Lebensräume der Tiere verloren. Sie müssen sich eine neue Heimat suchen.

 

Wildunfälle auf Schweizer Strassen haben jedes Jahr den Tod von tausenden von Wildtieren zur Folge. Bei hoher Verkehrsbelastung werden Strassen und Eisenbahnlinien für die Tiere zu unüberwindbaren Barrieren.

 

Die eigentlichen Ursachen sind raum- und verkehrsplanerischer Natur. Mit mehr Wissen, entsprechender Planung und politischem Willen können wir die Situation verbessern.