Fliessgewässerrevitalisierungen

Auen sind unglaublich artenreich: Auf einem halben Prozent der Schweizer Landesfläche gedeiht etwa die Hälfte der einheimischen Wildpflanzen. Auch zahlreiche Tiere sind auf natürliche Flussläufe angewiesen. Pro Natura setzt sich dafür ein, dass Kammmolch, Schwanenblume und Biber in der Schweiz eine Zukunft haben.


Mehr naturnahe Flüsse und Bäche!

Fliessgewässerrenaturierungen sind aber nicht nur ökologisch ein Gewinn, sondern dienen auch dem Hochwasserschutz. Schon zweimal waren Gewässer Kampagnenthemen bei Pro Natura «Wassernetz» (1996-99) und «Befreit unsere Flüsse» (2006-8). Einige beispielhafte Renaturierungsprojekte wie z. B. am Limmatspitz (Aargau), an der Wyna (Luzern) oder am Doubs (Jura) sind inzwischen abgeschlossen, andere stehen in der Startphase. Ferenbalm (Kerzers BE), Innauen (Bever GR) oder Chli Rhy (Rietheim AG). Auch weiterhin wird Pro Natura am Wassernetz der Schweiz knüpfen.

 

Flussverbauungen - ein zu enges Korsett

Eine natürliche Flusslandschaft besteht aus einer Vielzahl verschiedenartiger Lebensräume. Ufer und Sandbänke stehen nur zeitweise unter Wasser, während in tieferen Teilen des Flusses das Wasser die ganze Zeit fliesst respektive längere Zeit stehen bleibt. Überschwemmungen führen zur Neubildung von Lebensräumen und Pionierstandorten. Diese natürliche Dynamik sorgt dafür, dass eine Vielzahl an Tier- und Pflanzenarten in der Flusslandschaft vorkommen. Natürliche Flusslandschaften gehören zu den artenreichsten Lebensräumen der Schweiz!

 

Artenvielfalt in Gefahr

Doch gerade die Gewässer sind jene Lebensräume, welche am meisten von ihrer Natürlichkeit eingebüsst haben - Schuld daran sind Eingriffe des Menschen. Insbesondere die wertvollen Übergangsgebiete zwischen Wasser und Land sind weitgehend verschwunden. Für Landgewinn und Hochwasserschutz wurden die Fliessgewässer in der Schweiz begradigt, kanalisiert und verbaut. Viele Bäche und Flüsse sind unter die Erde verbannt oder in ein enges Korsett gezwängt. Künstliche Hindernisse verunmöglichen die für Fische lebensnotwendigen Wanderungen. Natürliche Strukturen fehlen und mehr als 90% der Auenwälder sind verschwunden. Solch monotone Abflussrinnen sind lebensfeindliche Biotope für viele Tiere und Pflanzen.

 

Hochwasserschutz dank natürlichen Fliessgewässern

Einige grosse Überschwemmungskatastrophen haben uns in jüngster Zeit gezeigt, dass der traditionelle Flussbau den Hochwasserschutz nicht mehr genügend gewährleisten kann. Die Kanalisierung der Fliessgewässer, die Zerstörung natürlicher Rückhaltebecken (z. B. Flach- und Hochmoore), Bodenentwässerungen und die Versiegelung von Bodenoberflächen haben das Problem intensiviert. Lange wurde beim Hochwasserschutz auf harte Verbauungen und starre «Flusskorrekturen» gesetzt. Die Wassermassen schwellen deswegen schneller an und überfordern die Abflusskapazität der verbauten Flüsse und Bäche.

 

Heute weiss man: Um Hochwasserschutz sicher zu stellen, muss den kanalisierten Flüssen wieder mehr Platz eingeräumt werden. Hat ein Fluss mehr Raum, kann er grössere Wassermengen aufnehmen. Durch das zurückgehaltene Wasser wird die Hochwasserspitze reduziert und so das Schadensrisiko flussabwärts vermindert. Die Natur profitiert von der neu gewonnenen Dynamik im Flussbett. Auch Menschen schätzen die natürlichen Flusslandschaften: Naturnahe Flussufer sind sehr beliebte Ausflugsziele für Familien und Erholungssuchende.