Mediencommuniqué

Projekt «Allegra Geissenpeter» im Churer Rheintal: Ziegen fördern Artenreichtum in verbuschten Weiden

14.05.2013

Trockenwiesen und -weiden sind Schatzkisten der Artenvielfalt. Doch werden ehemals farbenprächtige Matten heute vielerorts sich selbst überlassen und verbuschen. Mit dem Projekt «Allegra Geissenpeter» will Pro Natura solche Flächen wieder nutzbar machen. Im Churer Rheintal ist dies gelungen: Während fünf Jahren haben Ziegen wertvolle Trockenstandorte offen gehalten und ideale Bedingungen für Heuschrecken und Tagfalter geschaffen.

 

Im Jahr 2008 startete Pro Natura im Churer Rheintal in enger Zusammenarbeit mit lokalen Landwirten und den kantonalen Behörden das Projekt «Allegra Geissenpeter». Das Ziel des Beweidungsprojekts: In Bonaduz, Trimmis, Tamins und Haldenstein sollten artenreiche Trockenweiden vor der fortschreitenden Verwaldung bewahrt werden.

 

Verbuschung rückgängig gemacht

Am Anfang des fünfjährigen Projekts stand ein einmaliger forstlicher Eingriff unter Mithilfe von Schulklassen und Zivildienstleistenden. In stark verbuschten Bereichen war im Folgejahr eine zusätzliche mechanische Entbuschung nötig. Danach wurde die Landschaftspflege den Ziegen überlassen. Diese leisteten ganze Arbeit: Sie verbissen die wieder aufkommenden Sträucher und drängten sie erfolgreich zurück.

 

Paradiesische Verhältnisse für Heuschrecken und Tagfalter

Die Erfolgskontrolle nach Abschluss des Projekts zeigt weitere bemerkenswerte Resultate: Die bereits artenreichen Pflanzengesellschaften haben durch die Auflichtung noch weitere Arten dazugewonnen. So stieg auf der artenreichsten Testfläche (25 m2) im Teilprojekt Bot Danisch in Bonaduz die Zahl der beobachteten Pflanzenarten von 61 im Jahr 2008 weiter auf 68 Pflanzenarten im Jahr 2012. In der Tierwelt haben besonders Schmetterlinge und Heuschrecken profitiert. So wurden in den aufgewerteten Bereichen erstmals der Warzenbeisser und der Verkannte Grashüpfer nachgewiesen, zwei wärmeliebende Heuschreckenarten, die auf stark verbuschten Flächen nicht mehr vorkommen. Im Gebiet Bot Danisch beispielsweise wurden insgesamt 53 Tagfalter und 20 Heuschreckenarten registriert. Das entspricht rund einem Viertel aller schweizweit vorkommenden Tagfalter und einem Fünftel aller Heuschrecken.

 

Das innovative Projekt wird weitergeführt

Die Beweidung mit Ziegen ist zwar nicht gratis, aber günstiger als die Mahd der Flächen. Der Aufwand für das Zäunen, die Kontrolle und das Einrichten der Tränken betrug zwischen 60 und 100 Stunden pro Jahr und Gebiet. Dieser Aufwand wurde den Landwirten vom kantonalen Amt für Natur und Umwelt Graubünden abgegolten. Die hohe Zahl an spezialisierten und zum Teil gefährdeten Arten rechtfertigt die Anstrengungen zur Offenhaltung der Trockenweiden. Pro Natura zieht sich nun aus den Beweidungsprojekten im Churer Rheintal zurück. Die Projekte werden von den lokalen Trägerschaften in Zusammenarbeit mit den kantonalen Behörden weitergeführt. Die Standorte sind so weit aufgelichtet, dass weitere, angrenzende Flächen entbuscht und durch Ziegen offen gehalten werden können. 

 

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«Allegra Geissenpeter» – Naturschutz und Landwirtschaft Hand in Hand

«Allegra Geissenpeter» ist ein Projekt von Pro Natura, das in mehreren Regionen der Schweiz ehemals landwirtschaftlich genutzte Berghänge aufwertet und zusammen mit ortsansässigen Landwirtinnen und Landwirten wieder nutzbar macht. Weitere Standorte des Projekts «Allegra Geissenpeter» nebst dem Churer Rheintal sind Soglio im Bergell und das Gebiet Chalais im Wallis. In Soglio sind hauptsächlich Dexter-Rinder im Einsatz, in Chalais sind es Esel. Seit 2006 läuft das Pro Natura Projekt sehr erfolgreich. Insgesamt konnten auf etwa 125 Hektaren Trockenstandorten mehr als 35 Hektaren entbuscht und damit wieder nutzbar gemacht werden. Davon profitieren nicht nur die auf Trockenwiesen spezialisierten Tier- und Pflanzenarten, sondern auch die beteiligten Landwirte. Denn durch die Öffnung werden die Flächen wieder direktzahlungsberechtigt, was eine rentable Bewirtschaftung überhaupt erst möglich macht.

 

Pressebilder: http://www.pronatura.ch/bilder-allegra-geissenpeter

 

Internet: www.pronatura.ch/allegra-geissenpeter

 

Weitere Auskünfte:

Wolfgang Bischoff, Pro Natura Projektleiter Schutzgebiete,

Tel. 076 559 57 57, wolfgang.bischoff@pronatura.ch

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