Mediencommuniqué

Windpark Schwyberg: Die Naturschutzorganisationen legen beim Kantonsgericht Freiburg Rekurs ein

17.09.2012

Der Kanton Freiburg wünschte sich einen vorbildlichen Windpark Schwyberg. Das Projekt erweist sich nun aber als sehr problematisch. Die Anlage würde grosse Gefährdungen von Vögeln verursachen. Aufgrund dieser Beeinträchtigungen sind zwar Massnahmen vorgesehen, welche die negativen Auswirkungen verringern sollen. Doch selbst wenn sie ausgeführt werden könnten, ist es sehr unsicher, dass sie effektiv wirksam wären. Die Organisationen Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz, Stiftung Landschaftsschutz Schweiz SL, Mountain Wilderness und Pro Natura haben deswegen beschlossen, beim Kantonsgericht Rekurs gegen die Bewilligung der Raumplanungs-, Umwelt- und Baudirektion RUBD einzulegen.

 

Der erste Freiburger Windpark, jener auf dem Schwyberg oberhalb des idyllischen Schwarzsees, hätte nach dem Willen der Freiburger Regierung vorbildlich werden sollen. Doch das Projekt verursacht grosse Beeinträchtigungen der Biodiversität und insbesondere der Avifauna. Zum einen befindet es sich in einem wichtigen Zugvogelkorridor und verstösst somit gegen die Vorgaben des Bundes. Zweitens gefährdet es die Bestände von sensiblen oder gefährdeten Arten, die dort brüten, wie z.B. dem Birkhuhn. Auch Auerhuhnvorkommen sind betroffen. Und letztlich kämen verschiedene Windkraftanlagen in die Pufferzonen eines Moores von nationaler Bedeutung zu stehen.

 

Die Organisationen stellen fest, dass der Kanton Freiburg die Umsetzung der vorgesehenen Massnahmen zur Reduktion der Beeinträchtigungen nicht garantieren kann und dass die Kompensationsmassnahmen selbst bei einer Realisierung kaum wirksam wären. Die Bestandsaufnahmen der Vögel beschränkten sich zudem auf die Bergrücken im nahen Umfeld von nur 250 Metern um die geplanten Anlagen, obwohl ein Radius von einem Kilometer nötig ist, um die Anwesenheit von seltenen oder auf Windenergieanlagen sensibel reagierenden Arten abzuklären. Die Beeinträchtigungen könnten sich also noch als viel grösser erweisen.

 

„Unter diesen Bedingungen müssen wir davon ausgehen, dass der Bau des Windparks, so wie er geplant ist, eine grosse Gefährdung der Vogelwelt der Voralpen und der Zugvögel zur Folge haben würde“, befürchtet François Turrian, Geschäftsführer Romandie des Schweizer Vogelschutzes SVS/BirdLife Schweiz. Yolande Peisl, Geschäftsführerin von Pro Natura Fribourg, erklärt: „Das Ausmass der vorgesehenen Kompensationsmassnahmen zeigt deutlich die grossen Auswirkungen dieses Projektes. Leider ist es so, dass diese vorgeschlagenen Massnahmen für einige Arten nicht funktionieren würden, selbst wenn sie realisiert werden könnten“.

 

Der SVS/BirdLife Schweiz, die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz SL, Mountain Wilderness und Pro Natura befürworten die erneuerbaren Energien, halten dieses Projekt aber als zu schädlich für die Umwelt und legen deswegen beim Kantonsgericht gegen den Entscheid der RUBD Rekurs ein.

 

 

Weitere Informationen:

Christa Glauser, stv. Geschäftsführerin, Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz, Tel. 078 719 33 12

 

 

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Zwei stark gefährdete Vogelarten als Beispiel

Die zwei nachfolgenden Arten kommen, neben vielen anderen, am Schwyberg vor und sind durch das Windparkprojekt besonders gefährdet.

 

Birkhuhn

Bestand in der Schweiz: 7'500-10'000 Paare

Potenziell gefährdet

Auswirkungen des Windparks Schwyberg: Die rund zwölf anwesenden Männchen bilden eines der grössten Vorkommen im Kanton. Studien aus Österreich belegen, dass diese Vogelart sehr sensibel auf Windenergieanlagen reagiert und letztendlich ganz aus der Einflusszone der Anlagen verschwindet. Durch seinen schwerfälligen und niedrigen Flug kommt es zudem zu einer hohen direkten Mortalität an den Windenergieanlagen.

 

Auerhuhn
Bestand in der Schweiz: 450 bis 500 Hähne

Rote Liste: stark gefährdet

Wahrscheinliche Auswirkungen des Windparks Schwyberg: Das Auerhuhn ist praktisch aus dem Kanton Freiburg verschwunden. 2009 wurden aber Beobachtungen in der Region gemeldet. Der Bau des Windparks würde sicher eine Wiederbesiedlung des Schwybergs verhindern.

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