Das macht Pro Natura

Praktischer Naturschutz

Pro Natura hat sich vorgenommen, bis ins Jahr 2015 schweizweit 100 neue temporäre Gewässer zu erstellen. Dazu gehören beispielsweise Tümpel. Diese trocknen von Zeit zu Zeit aus, so dass Fressfeinde des Amphibienlaichs und der Kaulquappen keine Chance haben. Solche Tümpel waren früher weit verbreitet. Sie verschwanden aber, als grossflächig Drainagen gelegt wurden.

 

Ebenso wird Pro Natura die Vernetzung zwischen bestehenden Amphibiengewässern und dem Landlebensraum verbessern sowie Kleinstrukturen schaffen, in denen Frosch & Co. Zuflucht suchen können.

Amphibientümpel für Gemeinden

Mit gut schweizerischer Gründlichkeit wurden über Jahre Feuchtgebiete, darunter Auen, Tümpel, Teiche und Feuchtwiesen entwässert und zubetoniert. 90% der ursprünglichen Feuchtgebiete sind heute verschwunden, mit gravierenden Folgen für die Amphibien, die auf diese Lebensräume angewiesen sind. Die Bestände von Kreuzkröte, Geburtshelferkröte, Gelbbauchunke, Laubfrosch, Kammmolch und Teichmolch sind in den letzten 20 Jahren um die Hälfte zurückgegangen, ihre bevorzugten Lebensräume – temporär austrocknende Gewässer − sind praktisch ganz verschwunden.

Neue Lebensräume für die Amphibien

Als temporär austrocknende Gewässer werden schwach bewachsene Teiche, Tümpel oder Wasserlöcher bezeichnet, die nicht ständig Wasser führen. Im Herbst bzw. Winter werden sie mit Niederschlag und im Frühling mit Schmelzwasser gefüllt, trocknen dann aber alle zwei bis drei Jahre Ende Sommer bzw. im Herbst wieder aus. Darin entwickeln sich ab Frühling Kröten und Frösche, die später das Wasser vor dem Austrocknen der Wasserstelle verlassen, um sich an Land eine geeignete Bleibe zu suchen und sich dort weiterzuentwickeln. Das periodische Austrocknen der Laichgewässer begünstigt die Fortpflanzung von Amphibien, weil ihre natürlichen Feinde, die ans Wasser gebunden sind, regelmässig dezimiert werden. In der Schweiz sind Lebensräume dieser Art jedoch sehr selten geworden.

 

Pro Natura unterstützt Gemeinden beim Tümpelbau

Bis Ende 2015, haben 64 Gemeinden und Burgergemeinden Interesse am Projekt gezeigt. In 7 Gemeinden konnten Projekte realisiert werden. In 41 weiteren Gemeinden sind die Projekte noch in der Planungsphase. In den restlichen Fällen hat sich Pro Natura gegen eine Realisierung ausgesprochen oder die Projekte wurden aus verschiedenen Gründen nicht weiterverfolgt. Da noch viele Projekte in Umsetzung begriffen sind, wird das Projekt bis 2017 weiterverfolgt. 

 

Kontakt

 

René Amstutz

Pro Natura

Postfach

4018 Basel

E-Mail: rene.amstutz@pronatura.ch

Tel.: 061 317 91 34

Pro Natura Tümpelbau-Offensive

Molche, Salamander, Frösche und Kröten brauchen Wasser zum Überleben. Nur in Gewässern können sich ihre Larven und Kaulquappen entwickeln. Pro Natura stellt sich mit der Tümpelbau-Offensive dem schweizweiten Schwund an Laichgebieten entgegen.

Pro Natura baut Tümpel

Früher war unsere Landschaft reich an Teichen, Tümpeln und Feuchtgebieten. Die natürliche Dynamik der Flüsse und Seen schuf immer wieder neue, für die Fortpflanzung passende Gewässer. Dies ist heute nicht mehr so. Die Flüsse sind kanalisiert, viele Feuchtgebiete trockengelegt und der Wasserstand unserer Seen ist reguliert. Bestehende Tümpel und Teiche wachsen langsam zu und werden für die Fortpflanzung der Amphibien ungeeignet. Neue Tümpel und Teiche entstehen fast nur noch, wenn sie der Mensch baut.

 

Von dieser Entwicklung stark betroffen sind vor allem Arten, welche Gewässer mögen, die im Spätsommer trockenfallen. Werden nicht rasch neue Gewässer gebaut, werden Gelbbauchunke, Kreuzkröte, Kammmolch, Laubfrosch, Teichmolch und Geburtshelferkröte aus unserer Landschaft verschwinden.

Mit der Tümpelbau-Offensive geht Pro Natura mit gutem Beispiel voran

Die Tümpelbau-Offensive war sehr erfolgreich. In der ganzen Schweiz haben 19 Pro Natura Sektionen Amphibienförderprojekte umgesetzt. Ingesamt wurden 358 Förderungsprojekte wie Fortpflanzungsgewässer und Überwinterungsplätze sowie 189 neue Landlebensräume und Tümpel erstellt.

Stand Tümpelbau-Offensive
Stand Tümpelbau-Offensive
Eine Auswahl von beispielhaften Projekten:
Langnau im Emmental

Das Emmental ist ein schweizweiter Verbreitungsschwerpunkt der Geburtshelferkröte, dem Pro Natura Tier des Jahres 2013. Auch in Langnau im Emmental kommt sie vor. Die Vorkommen sind aber dünn gesät, und es besteht dringender Handlungsbedarf. Um das seltene Tier zu fördern, baut Pro Natura Bern rund 15 neue Fortpflanzungsgewässer.

Gwattmoos Thun

Das Projekt Gwattmoos ist ein beispielhaftes Aufwertungsprojekt eines Pro Natura Naturschutzgebiets: auf einer ehemaligen Industrieparzelle, die an das kantonale Naturschutzgebiet Gwattmösli angrenzt, entsteht ein neuer Flachwasserweiher, der künstlich abgelassen werden kann. Waldrandauslichtungen, eine Bachausdolung, die Anlage einer Reihe weiterer Klein- und Kleinstgewässer und umfangreiche Umgebungsarbeiten runden das Projekt ab. Das Gebiet wird der stark gefährdeten Gelbbauchunke und seltenen Libellenarten wie den beiden Quelljungfern ein neues Zuhause bieten.

Amphibienförderung Thur-Glatt (Kanton St. Gallen)

Eine ganze Reihe von Laichgewässern und viele andere Arbeiten warten derzeit im Kanton St. Gallen auf ihre Realisierung. Das Pro Natura Amphibien-Förderprojekt hat zum Ziel, die sechs stark gefährdeten Arten Kreuzkröte, Teichmolch, Kammmolch, Laubfrosch, Geburtshelferkröte und Gelbbauchunke zu retten. Die ersten drei genannten Arten sind ganz besonders stark bedroht. Die Kreuzkröte kommt nur noch an einem einzigen Ort vor. Sie ist damit im Talraum von Thur, Necker und Glatt unmittelbar vom Aussterben bedroht. 

Amphibienförderung Kanton Waadt

Ehrenamtliche Mitglieder von Pro Natura Waadt haben im Jahr 2009 die «Gruppe Amphibienschutz» gegründet, mit dem Ziel, das kantonale Amphibieninventar zu vervollständigen, neue Gewässer zu bauen und diese langfristig zu unterhalten. Ziele der Periode 2012-2015 waren die Entwicklung von Kommunikations-, Weiterbildungs- und Sensibilisierungsmassnahmen sowie der Bau von 16 neuen Tümpeln für besonders bedrohte Amphibienarten in prioritären Gebieten. Ende 2015 waren die Ziele weitgehend erreicht oder übertroffen. An 9 Standorten wurden Gewässer instandgestellt oder aufgewertet und an 23 Standorten würden neue Tümpel gebaut. Zusätzlich hat die Gruppe damit begonnen, ein Inventar der Laichplätze im Kanton VD zu erstellen. Jedes Jahr konnten der Karch ca. 200 Sichtungen und 40 neue Fortpflanzungsgewässer gemeldet werden. Durch diese Erfolge bestärkt, setzt die Gruppe ihre Arbeit für vier weitere Jahre fort. Freiwillige, welche sich beteiligen möchten, können sich an Pro Natura Vaud wenden.

Lac de la Corne (Kanton Wallis)

Mitten in der intensiv genutzten Rhone-Ebene liegt das kantonal geschützte Feuchtgebiet Pouta Fontana. Angrenzend befindet sich der Lac de la Corne. Bis vor kurzem wurde dort Kies abgebaut. Diese offenen, kiesigen Pionierflächen bieten ein hohes Potenzial für viele Amphibienarten.

2012 erwarb Pro Natura Wallis deshalb eine 5 ha grosse Fläche am Südostende des Sees und wird hier nun verschiedene Tümpel und andere offene Wasserflächen schaffen. Damit entsteht wertvoller Lebensraum für Pflanzen, Libellen, Frösche und Molche.

 

Pro Natura wird zudem versuchen Gemeinden zu motivieren, selbst Amphibiengewässer an geeigneten Stellen zu schaffen. 

Politischer Naturschutz

Einsatz beim Gewässerschutz…

Das neue Gewässerschutzgesetz ist eigentlich beschlossene Sache. Nach der Revision aufgrund des Gegenvorschlags zur Initiative «Lebendiges Wasser» verpflichtet es die Kantone, an Flüssen, Bächen und stehenden Gewässern ausreichend Gewässerräume auszuscheiden. Diese Flächen dürften nur noch extensiv bewirtschaftet werden – eine gute Sache für unsere Amphibien.

 

Nun hat sich aber Widerstand formiert: Diverse politische Vorstösse wollen diese Gewässerräume markant verkleinern. Verlierer wären auch Frosch und Co. Pro Natura wird sich in der Gewässerschutzpolitik konsequent gegen diese Angriffe auf die Gewässerräume zur Wehr setzen. 

… und in der Landwirtschaftspolitik

Auch in der Landwirtschaftspolitik steht Pro Natura für die Amphibien im Einsatz. Wir fordern, dass im ökologischen Ausgleich das neue Element «Uferbereich» mit zwei Qualitätsstufen eingeführt wird. Wesentlich ist für Pro Natura, dass die Durchlässigkeit der Ufersohle intakt bleibt. Die Verzahnung zwischen Land und Gewässer ist eine wichtige Charaktereigenschaft von natürlichen Uferbereichen – und für das Überleben unserer Amphibien von zentraler Bedeutung. 

Politik sollte Kleinstrukturen fördern

Ebenfalls im Rahmen der Landwirtschaftspolitik fordert Pro Natura eine bessere Berücksichtigung der Kleinstrukturen in der Direktzahlungsverordnung. Kleinstrukturen sind ein Sammelbegriff für Hecken, Ufergehölze, Tümpel, Ruderalflächen, Lesesteinhaufen, Asthaufen, etc. Sie sind wichtige Lebensräume für viele Amphibienarten.

 

Heute sind Kleinstrukturen wie Wassergräben, Tümpel oder Teiche an die ökologische Ausgleichsfläche anrechenbar – aber die Bauern erhalten kein Geld dafür. Bäuerinnen und Bauern, die solche Kleinstrukturen für Frösche schaffen, gehen also leer aus. Pro Natura findet das nicht richtig und verlangt daher schon seit längerem auch einen finanziellen Beitrag für Kleinstrukturen.